Kolumne „Projekt Danksagung“

Und wäre da nicht dieses eine Klingeln oder Singen: Geräusch meiner Meinung nach. Und wäre wenigstens die Sonne mal schon wach. Und außerdem.

Aber heute ist mein Tag. Das steht schon lang im Kalender, angemarkert: „10. Juni.“ Nicht mit Rot, -Johannisch Blau! Da denke ich dann, dass das alles ein bisschen leichter werden könnte.

Ist zumindest schon mal ein Anfang. Eigentlich geht das auch überhaupt nicht. Immer mit diesem „Danksagen“ durch die Welt spazieren und dabei auch noch ehrlich bleiben. Das widerspricht sich doch. Aber ich mache es, weil – dann hab Ichs probiert. Und dann kann ich auch sagen, dass das nicht stimmt bzw. geht. Ja und dann werden sie mir auch Recht geben. Aber ja, – ich hab´s ja gleich gesagt!

Okay, ich gebe zu: Das durchbrechen der Leitkultur eines Spötter ist auch wirklich schon gut. Also vor allem interessant. Hat was. Wie das auch der Körper dann mit macht? Also ich meine, ohne gleich Muskelkater zu bekommen.

Ich stehe nun auf und bedanke mich erst einmal für den schrecklichen Traum. Und durchgeschwitzt bin ich auch noch. Danke. Meine vertrocknete Zimmerpflanze versteht den Dialog natürlich nicht. Wie denn auch, sie kann ja gar nicht denken. Natürlich stoße ich mich auch noch am Dachfenster. Also an dieser Kante. Blöd. – Danke auch dafür! Das muss wohl alles eine tiefere Bedeutung haben, die ich jetzt ohne Kaffee wahrscheinlich noch gar nicht verstehen kann.

Küchentür aufgemacht und pures Chaos bzw. gestrige Liebeleien aus der Rubrik „Gefäß“ begrüßen mich. Uiuiui. Das ist jetzt richtig doof. Und ich soll mich jetzt dafür bedanken, dass ich erstmal mit Löwenhunger Putzfrau spielen darf? Na super! Danke, dass es hier auch aussieht wie, ja wie halt auf so ‘nem Dachboden. Oder Supermarkt. Nee, schlechter Vergleich – vielleicht nach Arbeit…

Würde ich rauchen – würde ich jetzt auch erstmal eine rauchen. Hmm, mache ich nicht. Zum Glück, weil das kann ganz schön ins Geld gehen. Dann schon lieber sparen. Ich will mir nämlich auch bald was kaufen. Weiß zwar noch nicht was. Aber groß und schön muss es sein. Vielleicht einen Hometrainer oder diesen praktischen Bulldog zum Arbeiten. Werd mir später noch dankbar sein.

Weil ich mit Träumen und geistreichem Denken so beschäftigt bin, muss frühstücken nun auch ausfallen. Klasse! „Der Tag wird gut werden“, rede ich mir ein. Den Bus muss ich nämlich erwischen, sonst schaffe ich es nicht mehr pünktlich zur Arbeit. Und mein Kollege muss dann wieder alleine diesen Kontrollgang durch die Firma machen. Das ist dann nicht gerade authentisch für eine Sicherheits- und Kontrollservice GmbH.

Als ich an der Bushaltstelle ankomme sehe ich noch genau zwei gelbblinkende Lichter. Neeee. Also rote Rücklichter. Juhu – Debakel ist so richtig meins. Nun gibt’s auch noch Ärger mit dem Chef – DANKE!

Müde und an der Reklame lehnend grüble ich, den Versuch sich für alles zu bedanken, abzubrechen. Bin eigentlich recht stolz, wie ich das bisher geschafft habe. Hab heute überhaupt noch nicht gemeckert. Hatte gar keine Zeit dafür. Das nervt auch. Und ich kann ja dann morgen schon wieder mit dem Danken weitermachen. Dann so über Mittag. Drei, vier Stunden. Und am nächsten Tag dann abends. Ja und nachts – da schlafe ich dann. Immer kleine Etappenziele setzen ist eh viel, viel schlauer. Strategie nennt man sowas. Dumm bin ich nämlich nicht. Keiner schafft das, sich für alles zu bedanken, um dann ja keine Zeit mehr für’s Klagen zu haben. Also wenn der Tag gut anfängt und ich lange frühstücken kann, ja dann schaffe ich das schon. Wenn ich will auf jeden Fall! Bin eben auch nur Mensch.

Jetzt fühl ich mich auch richtig gut, schon was geschafft zu haben. Lebt sich viel leichter. Das versteht man nicht immer gleich. Aber man ist irgendwie positiver und freundlicher. Erstes Projektfazit sehe ich recht positiv. Auch wenn’s vielleicht noch einiges dran auszusetzen gibt.

Janosch
Buschfunk-Redaktion

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