Kolumne

Kolumne „Schlaue Hilfe“

Freunde des gesprochenen Wortes,

die Hilfe ist eine grundchristliche Tugend. Unser Glauben ist runtergebrochen nichts anderes als ein riesiger Wettbewerb mit dem Ziel, den wirklich kleinsten aller Diener zu finden. Momentan unangefochten auf Platz 1: Jesus Christus. Aber wir streben ihm nach, stets bereit unsere eigenen Interessen hintenan zu stellen: Hilfe Leisten, da Sein, Trösten. Aber ist Hilfe wirklich immer Hilfe? Und wann braucht der Gehilfe vielleicht selber Erste Hilfe…? Eine Kolumne.

Das “Ja” ist bei uns Christen die beste Antwort, die man geben kann. “Ja, ich mache das.” “Ja, Danke für dein Vertrauen.” Und auch: “Ja, ich hab zumindest sowas ÄHNLICHES schonmal gemacht.” Was hier zwischen den Zeilen oft verloren geht, sollte man vielleicht auch mal erwähnen: “Ja, ich hab zwar eigentlich keine Zeit, aber das wird schon irgendwie.” “Ja, wobei ich eigentlich keine Ahnung davon habe.” Und natürlich: “Ja, und der Herrgott steht mir bei, dass ich ab morgen fließend russisch spreche.” Aber manchmal ist es eben einfach: Helfen, wo sich die Gelegenheit bietet, wie viele Inkarnationen sollen das denn sonst noch werden?!

Aber warum ist das so? Warum ist die Hilfsbereitschaft so groß, dass gesunder Menschenverstand zumindest manchmal skeptisch von hinten zuschaut? Naja, wirtschaftlich würden wir es so beschreiben: Nachfrage ist immer da, das Angebot nur selten. Mit anderen Worten: Es brennt an allen Ecken und es gibt genug zu tun. Und die Zeiten, wo es 20 Alternativen für unsere helfende Hand gab, sind lange vorbei. Wenn es sie denn je gab. Unsere Hilfe wird also gebraucht. Oft dringend, teilweise akut und in der Regel dauerhaft.

Und versteht uns nicht falsch. Jede Hilfsbereitschaft ist immer etwas Positives. Ihr Ursprung liegt in der Liebe zum Nächsten, zur Liebe selbst und sie ist erste Voraussetzung für unsere große Community. #communityoflove #startupflair #schatzichmachheutdenabwasch Aber bei all dem Geschmuse bleibt doch eine Frage: Ist gutgemeinte Hilfe immer hilfreich? Schließlich kann ein Rettungsanker auf stürmischer See für Ruhe sorgen, trotzdem ist der Nichtschwimmer gut beraten diesen nicht als Schwimmflügel-Ersatz zu nutzen. Auch, wenn der Anker es doch gut mit ihm meint. #metapher #bildlichervergleich

Um diese Frage zu beantworten, gehen wir zurück an den Anfang. Neben der Liebe zu Gott steht folgender Punkt in der irdischen Hausordnung an erster Stelle: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” (Quelle: Wikipedia, aber auch Markus 12,31). Das “wie dich selbst” ist entscheidend. Denn das eine geht nicht ohne das andere. Nur wer Liebe, Wertschätzung und gesunde Empathie zu sich selbst empfindet, kann dies weitergeben. Wir können dem Nächsten keine seelische Stütze sein, wenn wir selber ein seelisches Wrack sind – und selbst eine seelische Stütze bräuchten. Was hier im Kleinen beginnt, zieht sich fort ins praktische Helfen, in ehrenamtliche Aufgaben und bis zur allergrößten Aufopferung.

Um also Helfen zu können braucht es in erster Linie die Ehrlichkeit zu sich selbst: Was kann ich leisten? Wo bin ich tatsächlich eine Hilfe? Wo wirke ich als Nitroeinspritzung und nicht als zusätzlicher Bremsklotz? #ppffiiauuuuuu #lautmalerei Sinnvoll Helfen kann vor allem der, der in der Lage dazu ist. Und dabei gibt es auch viele Gründe, warum es gerade nicht passen kann. Seien es andere Verpflichtungen, die eigene Gesundheit, fehlendes Wissen oder einfach Unsicherheit. Viele dieser Dinge sind menschlich. Sie sind normal und zu akzeptieren, denn es zeichnet jeden aus, der sich selbst gut einschätzen kann.

Wir wollen alle immer helfen und das ist auch gut so. Aber nicht umsonst beten wir (hoffentlich) auch um Weisheit und Verstand. Damit die zwei sich mit unserem Drang zum Helfen (ergo Liebe) verbinden. Und somit ist ein “Nein” keineswegs immer ein “Nein” zur Nächstenliebe. Kein “Nein” zum Werk und kein “Nein” zum Gegenüber, der einen gerade um Hilfe bittet. Es ist am allerbesten, wenn jemand mit guter Selbsteinschätzung “Ja” zu einer Aufgabe sagt. Aber dem “Nein”-Sager sollten wir nicht absprechen, nicht auch ernsthaft mit sich gerungen zu haben. Und ein “Nein” kann auch beinhalten: “Meine Hilfe ist an anderer Stelle sinnvoller.”

Kommen wir zum Schluss: Ein ernstgemeintes “Ja” ist episch. Doch brauchen wir eine Kultur, in der ein “Nein” nicht automatisch etwas schlechtes ist. Keine Verweigerung am Dienst des Herrn und ein persönliches im Stich lassen. HILFREICH ist hier ein Vertrauen in die Selbsteinschätzung des Nächsten. Und das Gottvertrauen, dass es nicht nur diese eine Person mit genügend Gottvertrauen schafft, sondern sich mit wirklich genügend Gottvertrauen vielleicht auch eine andere Person findet – oder eine ganz andere Option sich ergibt. Und bevor jetzt jemand schreit: Es wird immer Menschen geben, die dieses Vertrauen ausnutzen. Aber genauso wird es auch immer Menschen geben, die sich maßlos selbst überschätzen. In diesem Sinne beste Grüße aus der Redaktion…

Wer hört nicht gern Buschfunk!

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Hühneraugenhöhe“

Freunde des gesprochenen Wortes,

Christen sind gut beraten schlechte Kopfrechner zu sein. Denn egal ob katholisch, evangelisch oder johannisch: Wir sind eine heimgehende Sorte, nur das keiner nachkommt. Beim Blick auf die Zahlen ist das sicherer als das Amen in der Kirche. Woran liegt’s und was kann jeder tun? Wir wären nicht der Buschfunk, wenn wir nicht zumindest einen unausgereiften Master-Plan in der Redaktionsschublade hätten.

Wie soll’s bloß weitergehen? Mal ehrlich. 367.504 allein im Jahr 2017. Das ist leider nicht der Jahresverdienst eines unterqualifizierten, doch sehr engagierten Buschfunk-Redakteurs und auch nicht die Mitgliedszahl der Johannischen Kirche. Sondern das sind die Austrittszahlen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. So viele Menschen sind weg. In nur einem Jahr. #keinBock #machtEurenScheißAlleine #mannÜberBord

Was wir hier mal galant übergehen (okay jetzt doch nicht), sind diejenigen fleißigen Beitragszahler, die rein gar nichts mehr mit Kirche, Gott oder christlichem Glauben anfangen können. #trotzdemDankeFürDieKohle Sogenannte Karteileichen. Gut für die Kasse, doch im Kern meist schon verloren. Wer bleibt dann noch übrig? Das hört sich für die großen Kirchen ja echt übel an. Nur gut, dass wir keine genauen Zahlen unserer Kirche kennen…

Doch das Ergebnis dieser hochkomplexen mathematischen Subtraktionsformel (also eine durch und durch negative Minusrechnung mit schlechtem Ergebnis) bleibt überall das gleiche: leere Kirchen und ein immer ärmer werdendes Gemeindeleben. Das ist traurig. Nicht wegen antiquierten Bräuchen, einer verrosteten Institution oder gar steifer Tradition. Mal ehrlich: Scheiß auf Tradition! #futureRocks #cyberchurch

Aber es ist traurig. Weil auch viele der jungen Generation weiter nach einer spirituellen Ausrichtung suchen. Sich in einer anonymen und leistungsgetriebenen Gesellschaft nach dem Zusammenhalt, Trost und genau dem positiven Grundgefühl sehnen, die einem der Glaube an Nächstenliebe und die dazugehörige Gemeinschaft bieten können. Diese Abkehr ist zum einen verständlich, da sich alle Kirchen selbst immer unattraktiver gemacht haben und sich teilweise komplett der Gegenwart verweigern: Sie gehen nicht mit der Zeit, sie gehen mit der Zeit. #geilerKalenderspruchRainer

Realitätscheck Gegenwart: Um junge Leute wieder für die Kirche zu begeistern, müsste diese wahrscheinlich ein Backpack-Büro in Melbourne eröffnen, Jeeps im Nationalpark verleihen und Surfkurse zur Konfirmation verschenken. Klingt grundsätzlich geil, ist aber nicht der eigentliche Gedanke dieser Kolumne (wobei’s geil wär…)

Dass Weltreisen, der chronische Hass gegen langfristige Verpflichtungen und ein möglichst episodenhaftes Abenteurerleben den Wünschen vieler junger Leute entspricht, ist klar. Der “Glaube a la Carte” ist nicht umsonst beliebter denn je. Die Frage ist, wie Kirche (und damit jeder, der diese erhalten will) damit umgehen. An dieser Stelle verweisen wir auf den Münchner (logo) katholischen Geistlichen Rainer Maria Schießler:

“Die Ströme fließen in die Gegenrichtung, von uns fort, und wir Priester, so schwer das einigen fallen wird, müssen runter von unserem hohen Ross und wieder lernen, dass wir jedem, wirklich jedem Menschen in unserer Gemeinde im positiven Sinne hinterherlaufen und um jeden Gläubigen kämpfen müssen. Lernen, dass wir Dienstleister sind im Glauben, dass wir jeden Tag Fußwaschung haben, nicht nur symbolisch, nicht nur für die Länge eines schönen Chorals und nur einmal im Jahr am Gründonnerstag, sondern täglich geht der Pfarrer mit mir auf Augenhöhe - und noch tiefer: auf Hühneraugenhöhe.”
Rainer Maria Schießler

Schießlers Aussagen zeugen natürlich von großer Selbstkritik (und damit hat er dem Buschfunk definitiv was voraus…). Die Priester müssten von ihrem hohen Ross herunter, meint er. #rossUndReiter Wir möchten sogar weitergehen und behaupten, dass dies jeden betrifft. Jeder, der ernsthaft über Glauben spricht, ist in solchen Momenten Priester. Gerade in einer – naja – kleineren Kirche (suchet Euch ein beliebiges Beispiel). #kleinAberFein #wiegenStattZählen

Hühneraugenhöhe kann ein Maßstab sein, wie wir miteinander umgehen. Jeden Tag eine Fußwaschung: Mit denen, die noch da sind. Mit denen, die sich interessieren oder gerade gehen. Oder mit denen, die nach langer Zeit vielleicht mal wieder vorbeischauen. #verlorenerSohn #Heimweh #dasNächsteBierGehtAufMich Keine Besserwisserei, kein Erheben oder Belehren. Und sich nicht zu schade sein, auch noch den letzten Schritt zu gehen. Um jeden kämpfen, der Interesse am Glauben hat. Und bevor jetzt jemand schreit: Hier ist natürlich wichtig zu unterscheiden, ob sich jemand wegen dem Glauben selbst oder “nur” wegen der Institution von der Kirche abwendet.

Wer ernsthaft Interesse hat am Fortbestehen so vieler Gemeinden und Lebensmittelpunkte, die Halt geben, kann die Verantwortung nicht auf die noch verbliebenen Priester, Pfarrer, Prediger, Geistlichen oder was-weiß-ich-wie-die-sonst-noch-heißen schieben. Ganz egal, welcher Religion oder Konfession. #istDeinJob #habMichNichtGemeldet #DienstNochZuVergeben

Der Fahrplan für die Rettung des christlichen Glaubens ist letztlich super easy und kommt vom Son-of-Heaven selbst: Wer andern seine Füße wäscht, sollte diese auch noch abtrocknen. Wenn wir uns dafür nicht zu schade sind und den Menschen im positiven Sinne hinterherlaufen, klappt’s auch mit den Glaubensfreunden.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

 

Kolumne „Im Auftrag des Herrn unterwegs“

Freunde des gesprochenen Wortes,

heute widmen wir uns einem Gottesstreiter, Beter, Werkzeug, Weisheit-Tragendem und Bier-Braunendem. Wer hat es schon erraten? Es geht um den Mönch. Oder auch die Nonne, wie Mann/Frau es nimmt. In jedem Fall um einen Berufszweig, der heute vielleicht wenig attraktiv erscheint. Und als wenn das nicht schon reichen würde, gibt es den johannischen Mönch BISHER gar nicht…

Welch wahrhaft Gläubiger will das nicht? Sein Leben voll und ganz in den Dienst des Glaubens stellen. 24/7 im Auftrag des Herrn unterwegs. Nach asketischen Idealen leben und sein Seelenheil fernab jeglicher Weltlichkeit finden. Doch anstatt Luftsprünge (fast bis in den Himmel) zu machen, winken die meisten heutzutage ab: Ist dann vielleicht doch etwas heftig, den ganzen Tag nur „Ora et Labora“. Und das dann alles nur unter Gleichgeschlechtlichen.

Dabei spricht für den Beruf zumindest eine lange Tradition. Den weltlichen Job zu kündigen und dafür spirituelle Ziele zu verfolgen, war schon vor hunderten Jahren angesagt. Im Christentum genauso wie im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus. Zugegeben, die Bezahlung war schon damals mies. Liegt wohl daran, dass die meisten Mönche in völliger Armut leben. Aber dem Materialismus abschwören liegt gerade wieder voll im Trend, wenn wir ehrlich sind. Wie in aller Welt kann Mönch-sein dann „Out“ sein?

Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen monos ab und bedeutet „allein“. Und tatsächlich gab und gibt es solche Mönche, die in völliger Einsamkeit leben und dabei die Beziehung von Körper/Seele/Geist und Gott weiter ergründen. Ja gut, einsam sein ist echt nicht cool – das Prinzip der kirchlichen Gemeinschaft ist auch irgendwie das exakte Gegenteil. Doch viel üblicher sind eigentlich Mönche und Nonnen, die in Ordensgemeinschaften leben, also in der Gemeinschaft. Rainer Maria Schießler, Deutschlands bekanntester katholischer Pfarrer, lebte selbst mal für einige Monate in der Gemeinschaft des Kapuziner-Ordens und war ziemlich angetan:

„Dann kommen die Mönche zum Gebet in ihrem Chorraum zusammen. Schweigend. Konzentriert sitzen sie da. Es ist dunkel. Es ist kalt. Du kämpfst mit dem Restschlaf. Und dann klopft der Guardian zweimal auf die Bank. Erheben. Introitus. Und das Gebet beginnt. […] Da entsteht allein schon über den Ton Gemeinsamkeit, vereint sich deine Stimme zusammen mit den anderen zu einer einzigen Vibration, die dich bis auf die Knochen durchdringt. Reiner Klang! Du bist auf einmal eins mit der Schöpfung. Du bist auf einmal eins mit Gott. Und völlig eins und aufgehoben im Sein und mit dieser Gemeinschaft von Menschen, die dich umgeben.“
– aus „Himmel, Herrgott, Sakrament: Auftreten statt Austreten“, S.40 (siehe HIER)

 

Hört sich bis auf „kalt“ und „dunkel“ gar nicht so uncool an. Doch um ehrlich zu sein: Trotz schöner Momente entscheidet sich auch Schießler letztlich, den Orden zu verlassen und nicht Mönch zu werden. In der Johannischen Kirche ist die Entscheidung einfacher: den Berufszweig des Mönchs oder der Nonne gibt es gar nicht. Warum eigentlich? Schließlich ist der Ausspruch „Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie“ unter den All-Time-Favourites aller Zeltlager-Wort-zum-Tage…

Nicht, dass wir hier Ideen in die Welt setzen wollen, aber wie episch wäre das? Eine Gruppe von johannischen Mönchen und Nonnen. Statt einem klassischen Ordenshaus müsste vielleicht eine kleine Hüttensiedlung herhalten. Die Essensauswahl ist minimalistisch und Arbeit gibt es auf Jahrzehnte genug. Auch zum Arbeiten herrscht Trachtpflicht. Dann könnte man endlich hauptberuflich ehrenamtlich sein. Gegen den kleinen Hunger vielleicht noch einen Nebenjob annehmen, zum Beispiel die Kirchenzeitung verteilen oder Handzettel zum Weihnachtsmarkt austragen (#cnd2017).

Na gut, sehen wir’s ein: Der johannische Mönch wird wohl auch in Zukunft eine unüberlegte Schnapsidee des Buschfunks bleiben. Der „modern Mönch“ will nicht so richtig hip werden. Und das hat ja auch sein gutes. Wie jeder für sich seinen Glauben auslebt, bleibt immer subjektiv und zu respektieren. Aber wir sind dann doch mehr der Typ „am Puls der Zeit“. Wir wollen dorthin, wo menschliche Charaktere wie tonnenschwere Baumaschinen aufeinanderprallen und sich aneinander abschleifen. Wir wollen keine Talente in Gemäuern vergraben, sondern sie raushauen, benutzen und abliefern. #schaffendürfen

Vielleicht muss der „modern Mönch“ gar nicht der in Tracht und im Kloster sein. Vielleicht lässt sich Arbeit und Gebet auch mit dem wahrlich ungesunden Lebensstil der Moderne vereinbaren. Und vielleicht reicht es ja auch, dass wir uns alle auf Wegen zum gleichen Ziel befinden.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Zunge zeigen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

„Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ Gott hat augenscheinlich eine Zunge. Wie hätte er sonst diesen Satz aussprechen können, mit dem alles begann? Und hätte Gott keine Zunge, wer weiß, wie viel von der Schöpfung überhaupt geklappt hätte. In der Zunge steckt viel Kraft. Zu Pfingsten ein Plädoyer, sie bewusst und mehr zu nutzen.

Manch dauerpumpender Körperheld mag widersprechen. Doch ein unscheinbarer Muskel, den wir meist verstecken, ist der vielseitigste und mächtigste von allen. Er kann Kriege beginnen und beenden, besiegelt Gerichtsurteile und – viel schlimmer – Ehen. Die Zunge kann so ziemlich alles. Wer sich für ein Eis im Hörnchen entscheidet, ist froh, dass er die Zunge hat. Jugendliche suchen ihr Glück meist in den Hälsen ihrer Mitmenschen. Und ohne Zunge auch schwer: Heavy Petting.

Die Zunge ist schon ziemlich eingespannt. Entspannen kann sie sich eigentlich nur nach zwei bis acht alkoholischen Getränken. Neben den erfreulichen Dingen muss die Zunge noch vieles andere verrichten: schreien, singen, sich verbrennen und piercen lassen sowie Essen im Mund sortieren. Doch das wichtigste ist der Dienst an unserer Kommunikation. Vergesst Gestik, Mimik und all den nonverbalen Kram. Fangt an zu reden!

Die hohe Kunst der Diplomatie braucht ein jeder von uns. Egal ob Familie, Beruf oder Kirche. Wenn Worte nicht mehr reichen und Reden zu Schreien wird, bleibt meist nur noch eines: Schnaps für alle oder eben Gewalt.

Nun sind wir die letzten, die öffentlich Gewalt Zungen verherrlichen. Neben dem Buschfunk warnte bereits die Bibel vor der ungeheuerlichen Kraft des schlabbrigen Schnalzorgans. „Aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Giftes“, heißt es im Brief des Jakobus. Und der alte Knecht hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass Worte giftig, verletzend und Menschen wie Projekte zerstören können. Und behaupten, dass der BER-Flughafen spätestens gestern eröffnet wird. Die Zunge ist eine Waffe, im Guten wie im Schlechten.

Deshalb lieber Schnauze halten? Die Zunge kann auch viel Gutes bewegen: Konstruktives beitragen, trösten, zum Lachen bringen und motivieren. Und natürlich viel zu viel unqualifizierten Quatsch ins Internet blasen.

Die Welt ist wie ein Labyrinth: Wir Menschen sind irgendwo ausgesetzt und suchen den Weg nach außen, quasi straight back to Jesus. Wenn jetzt jeder für sich alleine losläuft, wäre das erstens selten dämlich und würde zweitens locker 80-90 Inkarnationen dauern. Doch zusammen lässt es sich besser zocken!

Wer sich abspricht, gegenseitig hilft und kurz vor dem Ziel nochmal laut „HIER“ ruft, der ist ein wahrer Freund. Zum Glück haben wir den schleckenden Schmeckmuskel mitbekommen. Man könnte fast meinen, um ihn benutzen zu dürfen. Natürlich können wir die anderen auch in die Irre führen und sie täuschen – doch der ist ein schlechter Held.

Auch zum Pfingstfest steht die Zunge wieder im Vordergrund. Im christlichen Glauben kam der Heilige Geist auf die Apostel nieder und ließ sie mit fremden Zungen sprechen. Worte haben Bedeutung und Kraft. Wichtig ist immer der Absender dahinter. Doch ohne den Austausch wird es schwer, etwas zu bewegen, zu motivieren, zu schaffen und zu verbessern. Bei vielen Worten können vielleicht zwei, drei mal daneben liegen. Aber wir haben die Zunge bekommen um sie zu nutzen; sie ist der stärkste Muskel, der übrigens auch am schnellsten verheilt. Sie ist ein krasses Gerät, deswegen sagen wir es jetzt alle ganz laut: „ZUNGE ZEIGEN!“

Zum Schluss ist uns auch wichtig: Wir beim Buschfunk sind froh, wenn uns jemand kritisiert anstatt gleich in den Bauch zu schießen. Neben der Zunge ist nämlich auch ein Luftdruckgewehr eine gefährliche Waffe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „AK Amtslos“

Freunde des gesprochenen Wortes,

eine Kette kann nur so stark sein wie ihr schwächstes Glied. Die Starken kennen wir alle – meistens stellen sie sich uns selbst vor. Aber wer sind die vermeintlich Schwachen? Vielleicht sind genau sie die unsichtbare Kraft, die im Hintergrund alles zusammenhält und gestaltet. Ein Beitrag über den kleinen Kirchenmensch der zweiten Reihe.

Kirchentag, spät dran: Suche hektisch nach einem Platz. Ahh, vorne ist ist noch einer – schnell hinsetzen und andächtig schauen. Aber was ist das? Ein Ordner wedelt mit beiden Armen, sein Gesicht rot angelaufen. Schweißausbruch bei mir. “Was hab ich falsch gemacht?” Achso, erste Reihe. Wie konnte das passieren? Bloß weg hier, da ist noch ein Platz. Dritte Klasse, nee Reihe. Leider aber der Platz des Ordners, also weiter auf Wanderschaft. Zwei Minuten hab ich noch, ich renne. Reise nach Jerusalem ist nichts dagegen.

Sport am Sonntag kennen viele Gläubige. Doch für manche birgt es noch mehr Tücken. Eine kleine, große Schar an Menschen, die immer dabei sind, doch zu selten erwähnt werden. Sie sind der eingeschworene Kern, der keine Verantwortung braucht um mitzutragen. Der nicht lange überlegt, sondern anpackt. Der viel bewegt und immer noch unterschätzt wird. Sie brauchen weder Titel noch Fortbildungen. Sie sind die Ersten in der zweiten Reihe – der Arbeitskreis Amtslos.

Die Gründung dieses neuen AKs war längst überfällig. Ein Sammelbecken für alle Motivierten und Helfer, die ohne offizielle Berufung schaffen dürfen. Ständig am Helfen, doch nichts zu entscheiden. Nicht einmal Seminare sind dafür notwendig. Sorgen und Ängste besprechen die Amtslosen in spontanen Treffen. Jeder ist gerne gesehen, sogar Gäste mit Amt. In der amtslosen Gemeinschaft nimmt sich keiner wichtig, der Nächste ist wie ich.

Bei so viel Harmonie schaut so mancher Amtsträger fast neidisch hinüber. Von einer Aufgabe zur nächsten hetzend, vieles auf einmal und abends zur Tagung. Er kann das extra Kraftpaket von oben gut gebrauchen. Aber während der Amtslose sein unaufhaltsames Engagement selbst dosiert, bestimmt für den Träger das Amt die Dosis. Meistens nicht zu knapp. Frust wird zur Routine und die Freiheit schnell zur Pflicht.

Wo zu viel Arbeit herrscht, wird manche Gemeinde erfinderisch. Dort stellt der AK Amtslos schon fast die Minderheit: lieber gleich ein Amt statt nur Verantwortung. So kann man sich der Mitarbeit auch sicher sein. Wer das weiterdenkt, kommt schnell zu neuen Amtsideen: Vom Klimaordner bis zum Kaffeehelfer. Das Potential scheint unbegrenzt. Auch ein Rasenbeauftragter könnte in vielen Gemeinde wichtige Hilfe leisten. Nicht zu vergessen der Choralnummer-Aufsteller ohne den mancherorts schon nicht mehr gesungen werden kann.

Wenn jeder ein Amt hat, hat auch jeder seine Wichtigkeit. Da schafft der Rest-Wein beim Abendmahl keine ganze Runde mehr. Das kann ja auch nicht die Lösung sein. Gibt es keine anderen Möglichkeiten? Wenn alle, die helfen wollen, in einem Boot sitzen. Wenn jeder Ruderlenker selbst mitrudert. Wenn Kapitän und Matrosen eine Mannschaft sind. Wenn keiner von beiden überfordert, aber alle mitgenommen werden.

Zum Glück ist der AK Amtslos gar nicht ohne Amt. Vielleicht haben seine Mitglieder sogar das schwierigste von allen. Ohne sie bleibt es meist nur bei der Theorie. Bei nicht gelesenen Protokollen und den Worten ohne Tat. Der Amtslose ist der kleine Kirchenmensch, ohne den nichts funktioniert. Kann auch nicht oft genug gesagt werden. Selbst wenn sein Taufspruch “Verantwortungslos durchs Kirchenleben” ist und immer wieder heißt. Er ist das Rückgrat, der Erste in der zweiten Reihe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Das Ende vom Anfang“

„Das kann doch nicht Dein Ernst sein. Was hast Du Dir dabei gedacht?“ Ich stammele vor mich hin. Es rattert, zischt und pfeift. Lautlos hoffentlich. Nach viel zu kurzer Zeit eröffne ich mein Plädoyer: „Jugend ist…“

…eine Definitionssache? Eine Empfindung und nicht mehr? Ein Altersabschnitt oder ein Gefühl? Oder einfach das perfekte Alibi? In meinem Kopf umkämpfe ich Wort für Wort. Irgendetwas Erklärbares müsste es doch geben. Sogar ich muss mich diesem Thema mal stellen. Ich will schließlich auch mal mit verklärtem Blick von „früher“ oder „damals“ sprechen. Als ich noch jung war.

Aber man wird halt älter – oder reifer? Horizonte verschieben sich und Sehstärken wandern munter durch die Gegend.  Jugend ist aus und vorbei. Mit 25 wie wir wissen. Und nach dem Aufstehen bin ich ein anderer.  Viel erlebt und trotzdem gerade erst ausgebildet, um richtig durchzustarten.  Aus meinen Fehlern gelernt… mal sehen. Aber ist jetzt wirklich alles anders?

Jugend darf sich ausprobieren. Muss sich ausprobieren. Und scheitern, wie gewinnen. Jugend ist flexibel, unverbraucht, dynamisch, kreativ, naiv, motiviert, frisch, mutig, auf der Suche, neugierig und vor allem sexy. Das alles eben bis 25. Danach… na das werden wir jetzt sehen. Ich bin bereit mich vielen neuen Adjektiven in den Weg zu stellen.

Theorie abgeschlossen. Doch nach der Tagung kommt das Leben. Es gibt sie: die Freigeister, Frischdenker und heimlichen Vorbilder, deren Namen man nicht zu sprechen wagt. Die auch mit 68, 54 oder aufwärts ihren jugendlichen Schaffensdrang keinesfalls in der Garderobe abgeben. Die Dampfwalzen der mitwirkenden Ehrenamtlichkeit. Sie zeigen uns, dass zwischen 25 und 75 für den Herrn auch nur ein Wimpernschlag liegt.

Das lässt ja hoffen. Motiviert bin ich ja schon. Motiviert jugendlich zu bleiben. Nicht auf meine Jugendzeit zurückschauen, sondern weiter bauen. Hab eigentlich schon vergessen, was in meiner Jugend war. Ab jetzt wird abgeliefert. Ordentlich. Genauso frisch, naiv und dynamisch wie bisher. Und vor allem sexy.

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Wer seine Jugend  vermisst, hat sich zu früh selbst erzogen. Abgegeben um Erwachsen zu werden.  Doch wenn sie erstmal weg ist, bringen auch bonbonfarbende Haare oder eine Harley Davidson Maschine  sie nicht zurück. Ganz im Gegenteil: was außen dranhängt, kann drinnen nicht sein. Jeder Hobby-Schamane wird dasselbe erzählen.

Drum blicke ich nicht zurück.  Die Zeit war gut und schlecht und kommt vor allem nicht wieder. Wenn Stillstand Rückgang ist, dann ist der Wunsch nach dem Vergangenen wohl ein kompletter Holzweg. Mit allem jugendlichen Leichtsinn und charmanter Selbstüberschätzung geht’s volle Möhre nach vorn. Deshalb bleibe nicht stecken mit deinem Fuß im Aschehaufen, sondern steige mit mir wie ein Phönix aus den Trümmern Deiner Jugend empor.

Janosch, Robin & Dimitri
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Projekt Danksagung“

Und wäre da nicht dieses eine Klingeln oder Singen: Geräusch meiner Meinung nach. Und wäre wenigstens die Sonne mal schon wach. Und außerdem.

Aber heute ist mein Tag. Das steht schon lang im Kalender, angemarkert: „10. Juni.“ Nicht mit Rot, -Johannisch Blau! Da denke ich dann, dass das alles ein bisschen leichter werden könnte.

Ist zumindest schon mal ein Anfang. Eigentlich geht das auch überhaupt nicht. Immer mit diesem „Danksagen“ durch die Welt spazieren und dabei auch noch ehrlich bleiben. Das widerspricht sich doch. Aber ich mache es, weil – dann hab Ichs probiert. Und dann kann ich auch sagen, dass das nicht stimmt bzw. geht. Ja und dann werden sie mir auch Recht geben. Aber ja, – ich hab´s ja gleich gesagt!

Okay, ich gebe zu: Das durchbrechen der Leitkultur eines Spötter ist auch wirklich schon gut. Also vor allem interessant. Hat was. Wie das auch der Körper dann mit macht? Also ich meine, ohne gleich Muskelkater zu bekommen.

Ich stehe nun auf und bedanke mich erst einmal für den schrecklichen Traum. Und durchgeschwitzt bin ich auch noch. Danke. Meine vertrocknete Zimmerpflanze versteht den Dialog natürlich nicht. Wie denn auch, sie kann ja gar nicht denken. Natürlich stoße ich mich auch noch am Dachfenster. Also an dieser Kante. Blöd. – Danke auch dafür! Das muss wohl alles eine tiefere Bedeutung haben, die ich jetzt ohne Kaffee wahrscheinlich noch gar nicht verstehen kann.

Küchentür aufgemacht und pures Chaos bzw. gestrige Liebeleien aus der Rubrik „Gefäß“ begrüßen mich. Uiuiui. Das ist jetzt richtig doof. Und ich soll mich jetzt dafür bedanken, dass ich erstmal mit Löwenhunger Putzfrau spielen darf? Na super! Danke, dass es hier auch aussieht wie, ja wie halt auf so ‘nem Dachboden. Oder Supermarkt. Nee, schlechter Vergleich – vielleicht nach Arbeit…

Würde ich rauchen – würde ich jetzt auch erstmal eine rauchen. Hmm, mache ich nicht. Zum Glück, weil das kann ganz schön ins Geld gehen. Dann schon lieber sparen. Ich will mir nämlich auch bald was kaufen. Weiß zwar noch nicht was. Aber groß und schön muss es sein. Vielleicht einen Hometrainer oder diesen praktischen Bulldog zum Arbeiten. Werd mir später noch dankbar sein.

Weil ich mit Träumen und geistreichem Denken so beschäftigt bin, muss frühstücken nun auch ausfallen. Klasse! „Der Tag wird gut werden“, rede ich mir ein. Den Bus muss ich nämlich erwischen, sonst schaffe ich es nicht mehr pünktlich zur Arbeit. Und mein Kollege muss dann wieder alleine diesen Kontrollgang durch die Firma machen. Das ist dann nicht gerade authentisch für eine Sicherheits- und Kontrollservice GmbH.

Als ich an der Bushaltstelle ankomme sehe ich noch genau zwei gelbblinkende Lichter. Neeee. Also rote Rücklichter. Juhu – Debakel ist so richtig meins. Nun gibt’s auch noch Ärger mit dem Chef – DANKE!

Müde und an der Reklame lehnend grüble ich, den Versuch sich für alles zu bedanken, abzubrechen. Bin eigentlich recht stolz, wie ich das bisher geschafft habe. Hab heute überhaupt noch nicht gemeckert. Hatte gar keine Zeit dafür. Das nervt auch. Und ich kann ja dann morgen schon wieder mit dem Danken weitermachen. Dann so über Mittag. Drei, vier Stunden. Und am nächsten Tag dann abends. Ja und nachts – da schlafe ich dann. Immer kleine Etappenziele setzen ist eh viel, viel schlauer. Strategie nennt man sowas. Dumm bin ich nämlich nicht. Keiner schafft das, sich für alles zu bedanken, um dann ja keine Zeit mehr für’s Klagen zu haben. Also wenn der Tag gut anfängt und ich lange frühstücken kann, ja dann schaffe ich das schon. Wenn ich will auf jeden Fall! Bin eben auch nur Mensch.

Jetzt fühl ich mich auch richtig gut, schon was geschafft zu haben. Lebt sich viel leichter. Das versteht man nicht immer gleich. Aber man ist irgendwie positiver und freundlicher. Erstes Projektfazit sehe ich recht positiv. Auch wenn’s vielleicht noch einiges dran auszusetzen gibt.

Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Wie wir wissen“

Buschfunk steht  unter anderem für  1 A Beiträge. Gut recherchiert und „0 8 15“ geht gar nicht klar. Eben binär. Fakten sachlich behandeln, bewerten und gegebenenfalls deuten. Kein Stellenangebot für Agent: Doppelnull!

Umso schlimmer. Wir haben in den letzten Wochen bei einigen „Johannis-Christen“ Sicherheitslücken veröffentlicht. Auch dadurch zeichnet sich wiederum Buschfunk aus, weil sie helfend und unterstützend wirken. Man hat uns Datensätze von über 24,08 TB zugeschickt. Das Ganze wurde akribisch sieben Jahre durchgearbeitet.

Egal ob wir in der Friedensstadt waren oder im fränkischen Idyll letzte Wanderkarten online stellten. Wir probierten alle möglichen Passwörter. Und eins könnt ihr uns glauben: Ständig brauchten wir irgendwelche WLAN-Schlüssel, PINS und Codes. Da kam es durchaus mal vor, dass wir das Eine mit dem Anderen und wiederum Ähnliche mit dem Gleichen vertauschten.

Doch erstaunlicher Weise gab es nie Fehlermeldungen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir viele KEYS bereits schon kannten. Es häuften sich Zahlenkombinationen wie „0 7 0 2“ oder „24 0 8“ bzw. „0 6 0 3“ und auch „15 0 7“. Verwunderung machte sich breit. Als wir dies eben veröffentlichten, beherrschten kritische Worte tagelang die Titelseiten der Tagespresse, wie naiv und einfach sämtliche „kircheninternen Archive“ zu hacken sind. Vorwürfe über Vorwürfe hörten wir uns nächtelang an. Sogar Morddrohungen erreichten uns und schließlich wurde unser Beitrag aus der Mediathek gelöscht. Doch warum?

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Geht man im Internet spazieren, so findet man schnell schlüssige Erklärungen. Numerologie und Symbolismus scheinen gut zu passen. Die allermeisten Verschwörungstheoretiker vertreten jedoch simplere Erklärungen. Individuelle Hoffnung und göttlicher Schutz. Ist also unsere johannische Herangehensweise sicherer und eine mögliche Alternative zu Virenprogrammen bzw. Einbrechern? Ein prima Regenmantel und gleichzeitig für Fremde der Sonnenschirm?

In den eigenen Reihen hörten wir Antworten wie „unvergesslich“, „glaubensbedeutend“ oder auch „Schutzpatron“. Somit treten wissenschaftliche Erkenntnisse in den Hintergrund.

Wichtig ist anscheinend das Verhältnis von Zahlen und Ziffern in Verbindung mit dem Menschen. Wie einflussreich sind dabei einfache Zahlenkombinationen: 47 11 – der Zaubertrank jener Frauen. Oder 1 1 0 – der Pizzalieferant.

Was für manche als Spinnerei abgehakt wurde oder für unwahr und quatsch steht – ist doch für einige amüsant, witzig und herzerfrischend.

So, nun muss ich aber auch noch selbst meine Passwörter ändern. Tja, dass sind dann aber auch immer gleich so viele…

Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Osterwunder“

Eine Geschichte von kleinen Wundern und wahnwitzigen Gärtnern

Wunder passieren ja nicht mehr. So sagt es der Volksmund. Oder glaubt es sogar. Da ist der Gläubige der Dumme und das Messinstrument der “Heilige Gral”, Bestimmer über wahr und unwahr. Geschafft werden muss trotzdem viel auf Erden. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier, sag ich immer. Und wenn Not am Mann ist, freut man sich über die Hilfe guter Freunde. Wie auch im vergangenen Frühjahr. Na, jetzt aber nicht kleingläubig werden, ist wirklich so passiert. Genau hier. Im Vorgarten.

Da meinte das zentrale Abflussrohr “Tschüss Leute, ich mach’s nicht mehr” und sackte in sich zusammen. Vielleicht ein Burnout. Wer weiß das schon? Und wenn der Himmel seine Schleusen öffnete,  wurden nicht nur alle Pflanzen gedürstet, auch der Keller wurde zum lokalen Erlebnisbad. So spaßig das klingt, so ernst war die Lage. “Ich kann Ihnen da ein Angebot machen” sagte der Handwerker und schaute tief in die Tasche, also in meine. Ein Wunder musste her. Und es kam: aus Berlin sogar. Ein ganzer Bus voller arbeitswütiger, junger, dynamischer Wunder. Die meisten mit einem besorgniserregenden Durst nach alkoholfreiem Weizen.

 

Da wurde geschuftet und geackert. Wie in den alten Zeiten sag ich immer. Sowas gibt’s ja heute gar nicht mehr. Obwohl eigentlich schon. Egal, ein ganzes Wochenende wurde das Feld bestellt und das Rohr verlegt. Endlich gibt es auch Samstag und Sonntag mal genug zu tun, dachten sich alle. Der Freund in Not war zur Stelle und Rohr und Meute summten im Chor “Läuft wieder”. Wer fortan baden wollte hier im Hause, musste weiter laufen als die Treppe hinunter. Doch dieses Ärgernis war alsbald verwunden und die Wunder zogen wieder ab, in Ihrem Großraum-VW. Gleich zur nächsten Großbaustelle nehme ich an.

Nach dem Wunder folgt für gewöhnlich die Ernüchterung. Sowas will schließlich gut verarbeitet werden. Ohne es je zu vergessen, lässt man etwas Gras über die Sache wachsen. Wer will schließlich einen Acker im Vorgarten. Außer nachhaltig handelnde Prosumenten einer Postwachstumsgesellschaft. Aber wo gibt’s die schon? Nein der Winter kam und mit Ihm der Frost. Die Jahreszeiten legten Ihren Mantel über den Ort des Geschehens. Und erst als sich das Leben wieder zu Regen begann, die ersten Sonnenstrahlen die frisch gekaufte Übergangsjacke streiften und der morgentliche Spaziergang ohne beheizbare Socken möglich wurde, da zeigte sich das wahre Ausmaß einer freundschaftlichen Geste. Ja welch Knospen ehrenamtliche  Arbeit noch heutzutage zum Blühen bringen kann.

 

Und wer es nicht glauben kann und seine optischen Messinstrumente selber überzeugen muss, der soll dies gerne tun. Montags bis freitags von 09:00 bis 12:00 und von 15:00 bis 17:00 Uhr. Denn bis zum heutigen Tage (und vermutlich nur noch wenige Wochen) ist dieses atemraubende Naturspektakel zu beobachten. Aus der Erde freundschaftlichen Schweißes erwachsen. Ganz ehrlich jetzt. Ohne Spaß. Ein großer Dank gilt noch einmal all den freundlichen Helfern, die von so weit zur Unterstützung angereist sind.

Rüdiger, Janosch & Robin
Buschfunk Redaktion

P.S.: Na gut, vielleicht haben wir auch ein wenig nachgeholfen. Ein geübter Gärtner soll ja manchmal wahre Wunder vollbringen können. Unter der Bettdecke, aber eben auch auf dem Rasen. Mit ein wenig Spucke, den richtigen Blumen, Regen und Sonnenschein sind schon so einige Kunstwerke auf dem Rasen entstanden. Aber jetzt mal ganz ehrlich Leute: ist doch gar nicht so wichtig, WIE das Ding da jetzt entstanden ist. Anspruch auf absolute Wahrheit werden wir Menschen eh nicht erreichen. Ein kleiner Tipp folgt trotzdem zum Schluss.

 

 

Kolumne „Generation Amore“

Wer lügt sagt „Ich“ – Bitte um romantische Gegenbewegung!

Schluss mit verdächtigen Blicken, Getuschel bei Erwachsenen und lapidarem Verständnis. Als Jugendlicher hat man´s schwer. Da gibt es kein Erbarmen. Umgeben von einer im Chaos versinkenden und vollgestopften Welt soll man irgendwie seinen Weg finden. Haltegriffe entpuppen sich als Handschellen. Der Werbung immer wieder Stand halten. Verführerische Parolen wie „träumst du noch oder lebst du schon?“ werden zu philosophischen Bumerangs umfunktioniert und Erklärungen müssen selbst zusammen gebastelt werden.

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Was ich meine? Das wüsste ich auch gern! Stundenlang am Smartphone klebend, keine Höflichkeitsformel beherrschend und meist auch noch ungepflegtes äußeres Erscheinungbild. Außerdem Nachtaktiv und Morgenmuffel: Wir kennen sie alle! Das Publikum der Anarchie – oder auch Jugend genannt.

Jedenfalls sind wir uns sicher: Laut einer Umfrage verwirren sich immer mehr Heranwachsende im Gedankenwulst. Häufig schwebt das Damoklesschwert über ihnen und sie werden getrieben von der Angst des „Falsch-Machens“. Schuld daran sind nicht die lockeren Waffengesetzte der USA, sondern wohl die eigenen peitschenden Kameraden. Das „Vorbildssystem“ welches „Spätzünder“ keine Chance zum Überleben bietet. Dann lieber Knopf zum Stillstand drücken? Eine Maschine ohne M und aschine? Oft sind wir doch der vermeintlich böse Miesepeter. Statt poltern, lieber anschleichen: Damit uns ja keiner hören und sehen kann. Da soll sich dann einer nochmal wundern, dass alle anderen verschlafen?

Einige stolpern als Fremdkörper im zwielichtigen Milieu herum und malen sich das Leben zur „Rosaroten Cloud“ aus. Das darf doch aber nicht verboten sein. Im Gegenteil, meist merkt man schnell, wenn Rosa feuerrot wird.

Wer schon mal ein junges Fohlen beobachtet hat, weiß, dass es großartige Sprünge über kleine Zäune majestätisch meistern kann. Das ist doch typisch für ein Bambi. Zurecht stellt sich die Frage: Warum? Anstatt langen Stallarrest zu verordnen, wie Walt Disney damals, ist doch entscheidender: Verständnis zeigen und inne halten! Warum ist es leicht, über angebliche Grenzen hinweg zu springen? Viel zu schnell verrennen wir uns selbst in Gedankensprünge die scheinbar barrierefrei wirken.

Ein möglicher Kompromiss wäre wohl mehr Amore, Zeit und Aufmerksamkeit in eine nachfolgende Generation zu investieren. Um eine große Sonnenblume zu züchten, bedarf es viel Obhut. Gute Muttererde – ach halt, (Gender beachten!) gute Vatererde, viel Wasser, Sonne, vielleicht auch eine Stütze damit der Kopf nicht stürzt und eben einen „grünen Daumen“.

Ich glaube das Gießen übernimmt der ein oder andere ganz gerne selbst. Dadurch lernt man eben, dass das Leben kein Ponyhof ist. Dann hängt der eigene Kopf mal schief. Trotzdem benötigen wir Dünger, Regen und Sonnenstrahlen. Ein kleines Kind langt auch mit der ganzen Handfläche auf die Herdplatte. Egal ob wir hundert mal gepredigt haben, dass dies heiß ist. Getrieben von der Neugier, bildet sich erst ein Bewusstsein für „heiß“. Nach dem Heulen wird einige Zeit verstreichen, bis der Schmerz endgültig verschwunden ist.

So werden wir von der fixen Idee – auf den Spuren des romantischen „Wanderers über das Nebelmeer“ zu wandeln, schnell zu einem Besseren belehrt: Für Zeit und Raum zum experimentieren, muss ein Stalltor offen bleiben.

Ich denke, dass wir lieber die kleine Schar der Bewegungaktiven Springer unterstützen sollten. Lieber tausend mal Springen und ein Treffer als still und heimlich zu verrosten. Für Caspar David Friedrich war es damals auch ein kleiner Schritt auf dem Mond, jedoch ein riesengroßer Schritt für die Menschheit. Und er war übrigens wie ich, kein Schachspieler.
Also, anstatt Haue eine Portion „Amore“ bitte!

Janosch
Buschfunk-Redaktion