Kolumne „Osterwunder“

Eine Geschichte von kleinen Wundern und wahnwitzigen Gärtnern

Wunder passieren ja nicht mehr. So sagt es der Volksmund. Oder glaubt es sogar. Da ist der Gläubige der Dumme und das Messinstrument der “Heilige Gral”, Bestimmer über wahr und unwahr. Geschafft werden muss trotzdem viel auf Erden. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier, sag ich immer. Und wenn Not am Mann ist, freut man sich über die Hilfe guter Freunde. Wie auch im vergangenen Frühjahr. Na, jetzt aber nicht kleingläubig werden, ist wirklich so passiert. Genau hier. Im Vorgarten.

Da meinte das zentrale Abflussrohr “Tschüss Leute, ich mach’s nicht mehr” und sackte in sich zusammen. Vielleicht ein Burnout. Wer weiß das schon? Und wenn der Himmel seine Schleusen öffnete,  wurden nicht nur alle Pflanzen gedürstet, auch der Keller wurde zum lokalen Erlebnisbad. So spaßig das klingt, so ernst war die Lage. “Ich kann Ihnen da ein Angebot machen” sagte der Handwerker und schaute tief in die Tasche, also in meine. Ein Wunder musste her. Und es kam: aus Berlin sogar. Ein ganzer Bus voller arbeitswütiger, junger, dynamischer Wunder. Die meisten mit einem besorgniserregenden Durst nach alkoholfreiem Weizen.

 

Da wurde geschuftet und geackert. Wie in den alten Zeiten sag ich immer. Sowas gibt’s ja heute gar nicht mehr. Obwohl eigentlich schon. Egal, ein ganzes Wochenende wurde das Feld bestellt und das Rohr verlegt. Endlich gibt es auch Samstag und Sonntag mal genug zu tun, dachten sich alle. Der Freund in Not war zur Stelle und Rohr und Meute summten im Chor “Läuft wieder”. Wer fortan baden wollte hier im Hause, musste weiter laufen als die Treppe hinunter. Doch dieses Ärgernis war alsbald verwunden und die Wunder zogen wieder ab, in Ihrem Großraum-VW. Gleich zur nächsten Großbaustelle nehme ich an.

Nach dem Wunder folgt für gewöhnlich die Ernüchterung. Sowas will schließlich gut verarbeitet werden. Ohne es je zu vergessen, lässt man etwas Gras über die Sache wachsen. Wer will schließlich einen Acker im Vorgarten. Außer nachhaltig handelnde Prosumenten einer Postwachstumsgesellschaft. Aber wo gibt’s die schon? Nein der Winter kam und mit Ihm der Frost. Die Jahreszeiten legten Ihren Mantel über den Ort des Geschehens. Und erst als sich das Leben wieder zu Regen begann, die ersten Sonnenstrahlen die frisch gekaufte Übergangsjacke streiften und der morgentliche Spaziergang ohne beheizbare Socken möglich wurde, da zeigte sich das wahre Ausmaß einer freundschaftlichen Geste. Ja welch Knospen ehrenamtliche  Arbeit noch heutzutage zum Blühen bringen kann.

 

Und wer es nicht glauben kann und seine optischen Messinstrumente selber überzeugen muss, der soll dies gerne tun. Montags bis freitags von 09:00 bis 12:00 und von 15:00 bis 17:00 Uhr. Denn bis zum heutigen Tage (und vermutlich nur noch wenige Wochen) ist dieses atemraubende Naturspektakel zu beobachten. Aus der Erde freundschaftlichen Schweißes erwachsen. Ganz ehrlich jetzt. Ohne Spaß. Ein großer Dank gilt noch einmal all den freundlichen Helfern, die von so weit zur Unterstützung angereist sind.

Rüdiger, Janosch & Robin
Buschfunk Redaktion

P.S.: Na gut, vielleicht haben wir auch ein wenig nachgeholfen. Ein geübter Gärtner soll ja manchmal wahre Wunder vollbringen können. Unter der Bettdecke, aber eben auch auf dem Rasen. Mit ein wenig Spucke, den richtigen Blumen, Regen und Sonnenschein sind schon so einige Kunstwerke auf dem Rasen entstanden. Aber jetzt mal ganz ehrlich Leute: ist doch gar nicht so wichtig, WIE das Ding da jetzt entstanden ist. Anspruch auf absolute Wahrheit werden wir Menschen eh nicht erreichen. Ein kleiner Tipp folgt trotzdem zum Schluss.

 

 

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