Freunde des gesprochenen Wortes,

Christen sind gut beraten schlechte Kopfrechner zu sein. Denn egal ob katholisch, evangelisch oder johannisch: Wir sind eine heimgehende Sorte, nur das keiner nachkommt. Beim Blick auf die Zahlen ist das sicherer als das Amen in der Kirche. Woran liegt’s und was kann jeder tun? Wir wären nicht der Buschfunk, wenn wir nicht zumindest einen unausgereiften Master-Plan in der Redaktionsschublade hätten.

Wie soll’s bloß weitergehen? Mal ehrlich. 367.504 allein im Jahr 2017. Das ist leider nicht der Jahresverdienst eines unterqualifizierten, doch sehr engagierten Buschfunk-Redakteurs und auch nicht die Mitgliedszahl der Johannischen Kirche. Sondern das sind die Austrittszahlen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. So viele Menschen sind weg. In nur einem Jahr. #keinBock #machtEurenScheißAlleine #mannÜberBord

Was wir hier mal galant übergehen (okay jetzt doch nicht), sind diejenigen fleißigen Beitragszahler, die rein gar nichts mehr mit Kirche, Gott oder christlichem Glauben anfangen können. #trotzdemDankeFürDieKohle Sogenannte Karteileichen. Gut für die Kasse, doch im Kern meist schon verloren. Wer bleibt dann noch übrig? Das hört sich für die großen Kirchen ja echt übel an. Nur gut, dass wir keine genauen Zahlen unserer Kirche kennen…

Doch das Ergebnis dieser hochkomplexen mathematischen Subtraktionsformel (also eine durch und durch negative Minusrechnung mit schlechtem Ergebnis) bleibt überall das gleiche: leere Kirchen und ein immer ärmer werdendes Gemeindeleben. Das ist traurig. Nicht wegen antiquierten Bräuchen, einer verrosteten Institution oder gar steifer Tradition. Mal ehrlich: Scheiß auf Tradition! #futureRocks #cyberchurch

Aber es ist traurig. Weil auch viele der jungen Generation weiter nach einer spirituellen Ausrichtung suchen. Sich in einer anonymen und leistungsgetriebenen Gesellschaft nach dem Zusammenhalt, Trost und genau dem positiven Grundgefühl sehnen, die einem der Glaube an Nächstenliebe und die dazugehörige Gemeinschaft bieten können. Diese Abkehr ist zum einen verständlich, da sich alle Kirchen selbst immer unattraktiver gemacht haben und sich teilweise komplett der Gegenwart verweigern: Sie gehen nicht mit der Zeit, sie gehen mit der Zeit. #geilerKalenderspruchRainer

Realitätscheck Gegenwart: Um junge Leute wieder für die Kirche zu begeistern, müsste diese wahrscheinlich ein Backpack-Büro in Melbourne eröffnen, Jeeps im Nationalpark verleihen und Surfkurse zur Konfirmation verschenken. Klingt grundsätzlich geil, ist aber nicht der eigentliche Gedanke dieser Kolumne (wobei’s geil wär…)

Dass Weltreisen, der chronische Hass gegen langfristige Verpflichtungen und ein möglichst episodenhaftes Abenteurerleben den Wünschen vieler junger Leute entspricht, ist klar. Der “Glaube a la Carte” ist nicht umsonst beliebter denn je. Die Frage ist, wie Kirche (und damit jeder, der diese erhalten will) damit umgehen. An dieser Stelle verweisen wir auf den Münchner (logo) katholischen Geistlichen Rainer Maria Schießler:

“Die Ströme fließen in die Gegenrichtung, von uns fort, und wir Priester, so schwer das einigen fallen wird, müssen runter von unserem hohen Ross und wieder lernen, dass wir jedem, wirklich jedem Menschen in unserer Gemeinde im positiven Sinne hinterherlaufen und um jeden Gläubigen kämpfen müssen. Lernen, dass wir Dienstleister sind im Glauben, dass wir jeden Tag Fußwaschung haben, nicht nur symbolisch, nicht nur für die Länge eines schönen Chorals und nur einmal im Jahr am Gründonnerstag, sondern täglich geht der Pfarrer mit mir auf Augenhöhe - und noch tiefer: auf Hühneraugenhöhe.”
Rainer Maria Schießler

Schießlers Aussagen zeugen natürlich von großer Selbstkritik (und damit hat er dem Buschfunk definitiv was voraus…). Die Priester müssten von ihrem hohen Ross herunter, meint er. #rossUndReiter Wir möchten sogar weitergehen und behaupten, dass dies jeden betrifft. Jeder, der ernsthaft über Glauben spricht, ist in solchen Momenten Priester. Gerade in einer – naja – kleineren Kirche (suchet Euch ein beliebiges Beispiel). #kleinAberFein #wiegenStattZählen

Hühneraugenhöhe kann ein Maßstab sein, wie wir miteinander umgehen. Jeden Tag eine Fußwaschung: Mit denen, die noch da sind. Mit denen, die sich interessieren oder gerade gehen. Oder mit denen, die nach langer Zeit vielleicht mal wieder vorbeischauen. #verlorenerSohn #Heimweh #dasNächsteBierGehtAufMich Keine Besserwisserei, kein Erheben oder Belehren. Und sich nicht zu schade sein, auch noch den letzten Schritt zu gehen. Um jeden kämpfen, der Interesse am Glauben hat. Und bevor jetzt jemand schreit: Hier ist natürlich wichtig zu unterscheiden, ob sich jemand wegen dem Glauben selbst oder “nur” wegen der Institution von der Kirche abwendet.

Wer ernsthaft Interesse hat am Fortbestehen so vieler Gemeinden und Lebensmittelpunkte, die Halt geben, kann die Verantwortung nicht auf die noch verbliebenen Priester, Pfarrer, Prediger, Geistlichen oder was-weiß-ich-wie-die-sonst-noch-heißen schieben. Ganz egal, welcher Religion oder Konfession. #istDeinJob #habMichNichtGemeldet #DienstNochZuVergeben

Der Fahrplan für die Rettung des christlichen Glaubens ist letztlich super easy und kommt vom Son-of-Heaven selbst: Wer andern seine Füße wäscht, sollte diese auch noch abtrocknen. Wenn wir uns dafür nicht zu schade sind und den Menschen im positiven Sinne hinterherlaufen, klappt’s auch mit den Glaubensfreunden.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

 

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