Kolumne „Im Auftrag des Herrn unterwegs“

Freunde des gesprochenen Wortes,

heute widmen wir uns einem Gottesstreiter, Beter, Werkzeug, Weisheit-Tragendem und Bier-Braunendem. Wer hat es schon erraten? Es geht um den Mönch. Oder auch die Nonne, wie Mann/Frau es nimmt. In jedem Fall um einen Berufszweig, der heute vielleicht wenig attraktiv erscheint. Und als wenn das nicht schon reichen würde, gibt es den johannischen Mönch BISHER gar nicht…

Welch wahrhaft Gläubiger will das nicht? Sein Leben voll und ganz in den Dienst des Glaubens stellen. 24/7 im Auftrag des Herrn unterwegs. Nach asketischen Idealen leben und sein Seelenheil fernab jeglicher Weltlichkeit finden. Doch anstatt Luftsprünge (fast bis in den Himmel) zu machen, winken die meisten heutzutage ab: Ist dann vielleicht doch etwas heftig, den ganzen Tag nur „Ora et Labora“. Und das dann alles nur unter Gleichgeschlechtlichen.

Dabei spricht für den Beruf zumindest eine lange Tradition. Den weltlichen Job zu kündigen und dafür spirituelle Ziele zu verfolgen, war schon vor hunderten Jahren angesagt. Im Christentum genauso wie im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus. Zugegeben, die Bezahlung war schon damals mies. Liegt wohl daran, dass die meisten Mönche in völliger Armut leben. Aber dem Materialismus abschwören liegt gerade wieder voll im Trend, wenn wir ehrlich sind. Wie in aller Welt kann Mönch-sein dann „Out“ sein?

Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen monos ab und bedeutet „allein“. Und tatsächlich gab und gibt es solche Mönche, die in völliger Einsamkeit leben und dabei die Beziehung von Körper/Seele/Geist und Gott weiter ergründen. Ja gut, einsam sein ist echt nicht cool – das Prinzip der kirchlichen Gemeinschaft ist auch irgendwie das exakte Gegenteil. Doch viel üblicher sind eigentlich Mönche und Nonnen, die in Ordensgemeinschaften leben, also in der Gemeinschaft. Rainer Maria Schießler, Deutschlands bekanntester katholischer Pfarrer, lebte selbst mal für einige Monate in der Gemeinschaft des Kapuziner-Ordens und war ziemlich angetan:

„Dann kommen die Mönche zum Gebet in ihrem Chorraum zusammen. Schweigend. Konzentriert sitzen sie da. Es ist dunkel. Es ist kalt. Du kämpfst mit dem Restschlaf. Und dann klopft der Guardian zweimal auf die Bank. Erheben. Introitus. Und das Gebet beginnt. […] Da entsteht allein schon über den Ton Gemeinsamkeit, vereint sich deine Stimme zusammen mit den anderen zu einer einzigen Vibration, die dich bis auf die Knochen durchdringt. Reiner Klang! Du bist auf einmal eins mit der Schöpfung. Du bist auf einmal eins mit Gott. Und völlig eins und aufgehoben im Sein und mit dieser Gemeinschaft von Menschen, die dich umgeben.“
– aus „Himmel, Herrgott, Sakrament: Auftreten statt Austreten“, S.40 (siehe HIER)

 

Hört sich bis auf „kalt“ und „dunkel“ gar nicht so uncool an. Doch um ehrlich zu sein: Trotz schöner Momente entscheidet sich auch Schießler letztlich, den Orden zu verlassen und nicht Mönch zu werden. In der Johannischen Kirche ist die Entscheidung einfacher: den Berufszweig des Mönchs oder der Nonne gibt es gar nicht. Warum eigentlich? Schließlich ist der Ausspruch „Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie“ unter den All-Time-Favourites aller Zeltlager-Wort-zum-Tage…

Nicht, dass wir hier Ideen in die Welt setzen wollen, aber wie episch wäre das? Eine Gruppe von johannischen Mönchen und Nonnen. Statt einem klassischen Ordenshaus müsste vielleicht eine kleine Hüttensiedlung herhalten. Die Essensauswahl ist minimalistisch und Arbeit gibt es auf Jahrzehnte genug. Auch zum Arbeiten herrscht Trachtpflicht. Dann könnte man endlich hauptberuflich ehrenamtlich sein. Gegen den kleinen Hunger vielleicht noch einen Nebenjob annehmen, zum Beispiel die Kirchenzeitung verteilen oder Handzettel zum Weihnachtsmarkt austragen (#cnd2017).

Na gut, sehen wir’s ein: Der johannische Mönch wird wohl auch in Zukunft eine unüberlegte Schnapsidee des Buschfunks bleiben. Der „modern Mönch“ will nicht so richtig hip werden. Und das hat ja auch sein gutes. Wie jeder für sich seinen Glauben auslebt, bleibt immer subjektiv und zu respektieren. Aber wir sind dann doch mehr der Typ „am Puls der Zeit“. Wir wollen dorthin, wo menschliche Charaktere wie tonnenschwere Baumaschinen aufeinanderprallen und sich aneinander abschleifen. Wir wollen keine Talente in Gemäuern vergraben, sondern sie raushauen, benutzen und abliefern. #schaffendürfen

Vielleicht muss der „modern Mönch“ gar nicht der in Tracht und im Kloster sein. Vielleicht lässt sich Arbeit und Gebet auch mit dem wahrlich ungesunden Lebensstil der Moderne vereinbaren. Und vielleicht reicht es ja auch, dass wir uns alle auf Wegen zum gleichen Ziel befinden.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

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