Kolumne „Zunge zeigen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

„Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ Gott hat augenscheinlich eine Zunge. Wie hätte er sonst diesen Satz aussprechen können, mit dem alles begann? Und hätte Gott keine Zunge, wer weiß, wie viel von der Schöpfung überhaupt geklappt hätte. In der Zunge steckt viel Kraft. Zu Pfingsten ein Plädoyer, sie bewusst und mehr zu nutzen.

Manch dauerpumpender Körperheld mag widersprechen. Doch ein unscheinbarer Muskel, den wir meist verstecken, ist der vielseitigste und mächtigste von allen. Er kann Kriege beginnen und beenden, besiegelt Gerichtsurteile und – viel schlimmer – Ehen. Die Zunge kann so ziemlich alles. Wer sich für ein Eis im Hörnchen entscheidet, ist froh, dass er die Zunge hat. Jugendliche suchen ihr Glück meist in den Hälsen ihrer Mitmenschen. Und ohne Zunge auch schwer: Heavy Petting.

Die Zunge ist schon ziemlich eingespannt. Entspannen kann sie sich eigentlich nur nach zwei bis acht alkoholischen Getränken. Neben den erfreulichen Dingen muss die Zunge noch vieles andere verrichten: schreien, singen, sich verbrennen und piercen lassen sowie Essen im Mund sortieren. Doch das wichtigste ist der Dienst an unserer Kommunikation. Vergesst Gestik, Mimik und all den nonverbalen Kram. Fangt an zu reden!

Die hohe Kunst der Diplomatie braucht ein jeder von uns. Egal ob Familie, Beruf oder Kirche. Wenn Worte nicht mehr reichen und Reden zu Schreien wird, bleibt meist nur noch eines: Schnaps für alle oder eben Gewalt.

Nun sind wir die letzten, die öffentlich Gewalt Zungen verherrlichen. Neben dem Buschfunk warnte bereits die Bibel vor der ungeheuerlichen Kraft des schlabbrigen Schnalzorgans. „Aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Giftes“, heißt es im Brief des Jakobus. Und der alte Knecht hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass Worte giftig, verletzend und Menschen wie Projekte zerstören können. Und behaupten, dass der BER-Flughafen spätestens gestern eröffnet wird. Die Zunge ist eine Waffe, im Guten wie im Schlechten.

Deshalb lieber Schnauze halten? Die Zunge kann auch viel Gutes bewegen: Konstruktives beitragen, trösten, zum Lachen bringen und motivieren. Und natürlich viel zu viel unqualifizierten Quatsch ins Internet blasen.

Die Welt ist wie ein Labyrinth: Wir Menschen sind irgendwo ausgesetzt und suchen den Weg nach außen, quasi straight back to Jesus. Wenn jetzt jeder für sich alleine losläuft, wäre das erstens selten dämlich und würde zweitens locker 80-90 Inkarnationen dauern. Doch zusammen lässt es sich besser zocken!

Wer sich abspricht, gegenseitig hilft und kurz vor dem Ziel nochmal laut „HIER“ ruft, der ist ein wahrer Freund. Zum Glück haben wir den schleckenden Schmeckmuskel mitbekommen. Man könnte fast meinen, um ihn benutzen zu dürfen. Natürlich können wir die anderen auch in die Irre führen und sie täuschen – doch der ist ein schlechter Held.

Auch zum Pfingstfest steht die Zunge wieder im Vordergrund. Im christlichen Glauben kam der Heilige Geist auf die Apostel nieder und ließ sie mit fremden Zungen sprechen. Worte haben Bedeutung und Kraft. Wichtig ist immer der Absender dahinter. Doch ohne den Austausch wird es schwer, etwas zu bewegen, zu motivieren, zu schaffen und zu verbessern. Bei vielen Worten können vielleicht zwei, drei mal daneben liegen. Aber wir haben die Zunge bekommen um sie zu nutzen; sie ist der stärkste Muskel, der übrigens auch am schnellsten verheilt. Sie ist ein krasses Gerät, deswegen sagen wir es jetzt alle ganz laut: „ZUNGE ZEIGEN!“

Zum Schluss ist uns auch wichtig: Wir beim Buschfunk sind froh, wenn uns jemand kritisiert anstatt gleich in den Bauch zu schießen. Neben der Zunge ist nämlich auch ein Luftdruckgewehr eine gefährliche Waffe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

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