Kolumne „Neues Update – Reformation“

Eigentlich wollten wir diesen Text an eine Tür hämmern. Doch da keiner seine Tür zur Verfügung stellen wollte und wir für die Nägel extra nochmal in den Baumarkt hätten fahren müssen (#schaffendürfen), muss nun wieder die Buschfunk-Seite herhalten. In unserer Kolumnen widmen wir uns dem aktuellen Thema Reformation, was für viele wohl eher ein geschichtliches Ereignis ist. Wir schauen lieber in die Zukunft…

Wir befinden uns im Mittelalter. Es ist genau 1139 Jahre nach Christi Geburt und 500-1000 eingestaubte, graue Eminenzen hocken wochenlang bei einer Tagung in Rom zusammen. Im Abschlussprotokoll, dem Titanpad von damals, wird man später lesen können, dass die Priesterehe offiziell für nichtig erklärt wird. Die Erklärung hat Papst Impo…, Verzeihung Innozenz II. bereits vor neun Jahren geliefert:

„Da die Priester Tempel Gottes, Gefäße des Herrn und Heiligtümer des Heiligen Geistes sein sollen … verstößt es gegen ihre Würde, dass sie in Ehebetten liegen und in Unreinheit leben“ (Mansi, Sacr. conc. collecio 21, 438).

Nun wie kommt eine Hundertschaft fehlgeleiteter, menschlicher Besserwisser darauf, eine derartige Regel in die Welt zu setzen, die noch heute tausenden männliche Priester und Familien das Leben versaut? Wenn das Ganze dem Herrgott so wichtig gewesen wäre, hätte es doch eine Erwähnung dessen in der Bergpredigt oder eine kurze Fußnote auf den Gesetzestafeln vom Sinai auch getan. Ohne interkonfessionelle Zusammenarbeit jetzt weiter unnötig erschweren zu wollen, kommen wir mal zum Punkt.

Über die knapp 1000 Jahre hatte sich in der katholisch-lateinischen Kirche schon ein enormer Verwaltungsapparat entwickelt, in dem immer mehr Regeln und Vorschriften von immer mehr Menschen in Ämtern aufgestellt wurden. Kirche ist neben Glauben, Gemeinschaft und Botschaft (#nächstenliebe) auch immer eine Institution, eine von Menschen betriebene Organisation. Menschen wiederum machen Fehler, oft auch noch nach bestem Wissen und Gewissen.

Je älter ein Apparat, desto schwierige ist es Strukturen zu durchbrechen und auf dem kurzen Dienstweg mal das Zölibat wieder abzuschaffen. Nun ist die christliche Lehre der Nächstenliebe in ihrer Einfachheit kaum zu unterbieten. Trotzdem scheinen menschliche Fehler und Bürokratie immer wieder davon abzulenken. So waren die großen Reformatoren Martin Luther und Joseph Weißenberg (für uns Johannis-Christen) vor allem bemüht, auf diesen urchristlichen Kern hinzuweisen. Diesen Kern, über den inzwischen schon wieder ein Wust an Regularien und “Ich habe mal gehört”-Sätzen wuchsen und sprießten. Doch anstatt zu jäten, entschieden sich manche lieber immer weiter zu gießen.

Am Montag ist Reformationstag (31. Oktober). Neben der Erinnerung an Dr. Martin Luther (so viel Zeit muss sein) jährt sich an diesem Tag die Gründung der Johannischen Kirche zum 90. Mal. Anlässlich dieser außerordentlich verdächtigen Datenüberschneidung stellt sich eine einfache Frage: wann beginnt eigentlich diese Verkrustung? Wann stehen Regularien im Weg und lenken uns von der Einfachheit der Lehre ab? Ab wann wird nur noch verwaltet anstatt zu gestalten?

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90 Jahre wird sicherlich keinen entscheidenden Wendepunkt markieren. Verkrustung und Stillstand können schon an Tag 1 entstehen. Überall dort, wo man sich aus Angst, Machterhalt, Ungewissheit und Unsicherheit an Kleinigkeiten aufhängt, bleibt kein Platz für Offenheit, Nächstenliebe und das Hören auf das innere Gesetz (#gewissen). Zumal eine gemeinsame Regel immer unkomplizierter ist, als ständiges Auseinandersetzen mit individuellen Befindlichkeiten und Ansichten, also immer wieder auf den Nächsten zuzugehen.

Während manch ein Johannis-Christ mit Blick auf ältere Kirchen und unsere relative Flexibilität triumphiert, sollte stets die Frage im Raum stehen, welch hirnrissige Schnapsideen wir in 1000 Jahren aus dem Boden stampfen könnten. Doch wie kann sich eine Kirche davor schützen? Hätte der Buschfunk das Patentrezept, würden wir sicherlich in alteingesessenen Großunternehmen Millionen verdienen und unsere Kolumnen unter Palmen schreiben. Wir können Euch versichern, dies ist NICHT der Fall…

Trotzdem werden wir weiter Werbung machen für Buschfunk für kontinuierliche Reformation, ständiges Hinterfragen und Blicken auf das Wesentliche: den Kern der christlichen Lehre. Bloß kein Verhaften in “das Haben wir immer schon gemacht” oder “das hat schon seinen Sinn.” Denn wir sind keinen Stück besser als die 500-1000 Einfaltspinsel des mittelalterlichen Konzils; wir haben nur nicht so viel Bürokratie zwischen uns und dem christlichen Auftrag.

Regeln haben ihre guten Seiten. Nicht zuletzt hat uns Vati vor tausenden von Jahren mal 10 Stück extra aufgemeißelt. Doch wenn die Regeln von uns Menschen kommen, waren da immer auch eine ganze Menge Nieten dabei (#zölibat). Reformation bedeutet Offenheit, Flexibilität, Hinterfragen, Erneuerung und in unserem Kontext nicht zuletzt Wiederherstellung von etwas letztlich extrem Einfachem – Nächstenliebe über alles zu stellen, sogar über Regeln.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

One comment on “Kolumne „Neues Update – Reformation“

  1. Sigurd sagt:

    Klare Worte, sehr schön. Ich freue mich dies alles zu lesen. Wie versprochen konnte ich gestern die erste Soul Session im SMH Jugendraum miterleben. Unsere Gedankenansätze, unser auch teils philosophischer Austausch über Lebens- und Glaubensfragen wurde mit gleicher Intensität geführt, die auch in diesem Artikel Robin und Janosch an den Tag legen. Hier reift etwas heran, was neu wird, neue Ausrichtung bringt, sich vielseitig gestaltet und doch die urchristlichen Wurzel hat.
    Herzlichst Euer Sigurd

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