Kolumne / Beiträge

Kolumne „Dem Herbst Entgegenfeiern“

Freunde des gesprochenen Wortes,

auch wenn der Blick aus dem Redaktionsgebäude etwas anderes verspricht, müssen wir die Zeichen der Zeit erkennen: Die Blätter halten sich nur noch mit müher Not am wettergegerbten Geäst. Sie klammern sich an die Power des Trees, doch werden sie fallen, bunt und leise. Es herbstet. Und der Buschfunk lullt sich ein in die Depression, um wie ein Phönix voller Elan aus dem Blätterhaufen emporzusteigen.

Ach liebe Hörerinnen und Hörer, wir haben es manchmal nicht leicht. Nein wirklich. Wir Buschfunker und Redaktionsmitglieder sind auch nur Getriebene des #herbstblues. Ein schaffensreicher Sommer liegt hinter uns, die Schule hat wieder angefangen und selbst das Erntedankfest ist vorbei (#dankenochmal). Wir stehen im Dunkeln auf, reiben uns die Redaktionsäuglein und wenn die Feierabendstunde schlägt, ist die Sonne schon wieder von dannen.

Der Alltag hat uns wieder, kein großes Kirchenfest in Sicht. Worauf sollen wir uns denn freuen? Statt abends bei einem Gläschen herbstlich gereiften Traubensaft Pläne zu schmieden und Revolutionen auszuhecken, denken wir lieber über das nächste Pfingsten nach: Was zieh ich an? In welchen Dienst trag ich mich ein? Wie viele gute Gespräche werde ich führen? (Und nochmal zur Kleidung: Soll ich nicht besser jetzt schon bestellen? #irdischesgewand)

Wir wissen, was Ihr jetzt sagt: Moment mal, habt Ihr in Eurer flapsigen Depression nicht ein Fest vergessen? Ist seit 2018 Jahren ein recht großes Ding, kann man selbst in schäbigen Ställen feiern und es gibt Gold… Na, klingelt das was? Glöckchen vielleicht? Klar, geht um Weihnachten. Heiliger Abend, X-mas oder Feliz Navidad, senoritas!!

Ja, natürlich ist das auch noch etwas hin. Genauer gesagt sechsundsechzig Tage oder auch 95.040 Minuten. Aber kommt schon, gefühlt stehen Weihnachts-Schoko-Mandel-Zimt-Marzipan-Honig-Printen-Nelken-Weihnachtsmänner und Plätzchen schon seit Monaten in den Regalen.  Riecht Ihr nicht auch schon den Glühwein? Leute, es geht wieder los!!! 

Viel wichtiger aber als das nahende Fest: die Vorbereitung. Noch näher sind nämlich die Weihnachtsmärkte, die in zahlreichen Gemeinden wieder anstehen. Und da gibt es viel, also wirklich viel zu tun. Jede Woche braucht eine neue Gemeinde Hilfe: neben Ständen bauen und Kerzen großziehen, gilt es Handzettel zu verteilen (#cnd2019), Kränze und Holz-Engelchen zu künstlern, Lichter der Kraft an den Sternenhimmel zu tackern, Gebäck mit süßesten Kariesbomben zu verzieren und herzzereißende Weihnachtsgeschichten aus verstaubten Literaturschinken auszugraben. Und wenn möglich, sollte all das auch noch mit einem Lächeln passieren. Wo bleibt da Zeit für eine Herbstdepression?!

Wir haben das mal durchgerechnet, an sich alles ganz easy: Jede gern gemachte, ehrenamtliche Arbeit im Prä-Advent (also die vier Wochen vor den vier Wochen vor Weihnachten) wird auf Eurer Lebensblume mit dem Multiplikakator von 2,4 verrechnet. Wichtig ist nur, dass Ihr die Belege behaltet und notfalls oben nochmal dran erinnert. #bürokratieofheaven

Also: Wer in der Weihnachtszeit früh mit dem #schaffendürfen anfängt, mittags weitermacht und abends zur Hochform aufläuft, der erzielt nicht nur für sich, sondern für alle seine Nächsten eine Win-Win-Win-Win-Win-Situation. Aber jetzt mal ehrlich, wir wissen eine anstrengende Zeit steht bevor, aber ist sie doch perfekt geeignet, um jeder Form von #herbstblues entgegenzutreten.

Also anstatt Sommer, KiTaWo und Erntedankfest hinterherzutrauern, gilt es entgegenzufeiern. Und zu arbeiten. Es gibt wirklich genug zu tun und wenn wir eines nun wirklich nicht erlebt haben in den letzten 2018 Jahren, dann, dass unsere Arbeit und Engagement nicht gebraucht werden.

Die drei heiligen Könige habens auch nur pünktlich zum 24. Dezember in den Stall geschafft, weil sie rechtzeitig losgelaufen sind…

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Weil wir uns brauchen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

alleine lebt es sich schlecht. Und liebt sich schlecht. Und streitet sich schlecht. Ohne einander wäre es entspannter und langweiliger. Die Gemeinschaft schafft Gemeines und Gut-Gemeintes. Weil wir uns brauchen, diese Kolumne…

Neulich: Mein Gemeinschafts-Helfer hat mich gefragt, ob ich zum Arbeitseinsatz da bin. Hab die Frage nicht verstanden, war gerne dabei am Montag. Genau wie Dienstag, Mittwoch und den Rest der Woche. In der Gemeinschaft ist doch am schönsten! Alle waren da und sehen es genauso.
Auch.
Wie ich.
Gemeinschaft ist toll.
Wir verstehen uns alle. Warum auch streiten? So schön in der Gemeinschaft. Wir gehen alle Probleme gemeinsam an und #schaffendürfen es dann auch. Wenn einer strauchelt, ist sein Nächster zur Stelle. Jeder für das schwächste Glied. Weil wir uns so gut verstehen, kommen jeden Tag neue Freunde hinzu. Weil sie sich wohl fühlen. Wie wir…

Ganz so ist es nicht. Die Gemeinschaft, die Glaubensgemeinschaft ist schön. Wären da nicht die anderen. Zugegeben: Manchmal sind wir schon anstrengend. Mit unseren Macken und Wichtigkeiten. Wir wollen Wertschätzung und vielleicht auch mal ein LAUTES DANKE! Wir reden nicht miteinander, wir machen Fehler, wir verurteilen uns und hauptsächlich den Anderen. Anstatt uns zu vertrauen, gehen wir auf Nummer sicher und dem Unangenehmen aus dem Weg.

Es ist ja grad WM: Fast wie bei einer Fußball-Mannschaft, die sich lieber selbst foult, anstatt den Weg zum gegnerischen Tor zu suchen. Klassische 1-1-1-1-1-1-1-1-1-1-1-Aufstellung. Jogi ist stocksauer und die Ersatzbank rappelvoll. #wmvergleich #gehtimmer #pulsderzeit

Manchmal lohnt ein Schritt zurück. Mit leerem Kopf neu starten. Alles auf Anfang. Was wünschen wir uns von einer Gemeinschaft? Einer, die uns anziehen würde. Wo wir von außen drauf schauen und sagen: KRASS, DIGGA! Da möchte ich mitmachen, da möchte ich dazugehören. Was wäre das für eine Gemeinschaft? Wo muss ich unterschreiben?

Ein Buschfunk-internes Brainstorming hat folgendes repräsentativ-valides Ergebnis hervorgebracht: Die Gemeinschaft bringt den Mut auf, zueinander zu gehen. Sie redet ehrlich miteinander und hält andere Meinungen aus. Sie vertraut. Sie ist engagiert. Sie akzeptiert, wie andere sind und versteht Rückschläge als Teil von sich. Gemeinschaft lernt sich kennen, statt zu urteilen. Gemeinschaft verzeiht und hat stets Bier kalt stehen. Und vor allem: Gemeinschaft bleibt ruhig.

Gemeinschaft kann also toll sein. Warum gründen wir nicht einen Kegelclub oder fahren “gemeinschaf” Kanu? #kegelrenaissance #kanulifestyle Eine Glaubensgemeinschaft ist mehr. Wir treffen uns nicht für Pokale, Spiel und FUN! Also gut, auch manchmal. Aber eigentlich, weil uns ein Gefühl verbindet. Emotions, baby! Wir trennen uns nicht, wenn wir umziehen, die Saison vorbei ist und wir zu alt für den Scheiß sind. Wir (er)tragen uns ein Leben lang. Und länger.

An sich ist es ja echt easy… Das Umsetzen, was wir eh geil finden. Nicht gleich alles auf einmal. Kleine Schritte. #tap #tap Uns gegenseitig mehr zutrauen und aufeinander zugehen. Zuhören. Reden. Ruhig Bleiben. Wer, wenn nicht wir? Dann sind wir von ganz alleine #shiny für die Außenwelt. Aber auch für uns. Weil wir uns brauchen.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Mut mit Vorsicht genießen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

wir wissen nicht, ob es eine gute Idee ist, diesen Text zu schreiben. Und auch noch zu veröffentlichen. Im Internet. Er kann falsch verstanden werden. Anders rüberkommen als gemeint. Was, wenn der Text sich verselbstständigt und wir die Kontrolle verlieren. Noch besteht die Möglichkeit umzukehren und lieber über etwas anderes zu schreiben. Ach wisst Ihr was, zu spät.

“Das alles und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär”. Was Rio Reiser locker runterträllert, sieht in der Realität oft schwieriger aus. Beim Anblick potenzieller Macht und wichtigen Positionen gehen solche Sprüche leicht von der Zunge. Doch wenn man erst in der Verantwortung steht, schleicht sich oft ein anderes Gefühl dazu. Ein beklemmendes Gefühl, das einem erst die Ruhe und dann das Selbstvertrauen nimmt: die ANGST.

“Furcht ist nicht in der Liebe” heißt es im 1. Brief des Johannes (4;18). Ein Spruch, der Mut machen kann und gleichzeitig aufzeigt, wie schwer es wirklich ist, ein von Liebe erfülltes Leben zu führen. Wovor können selbst wir in diesem reichen Teil der Welt nicht alles Angst haben? Angst vor Veränderung, Angst vor schlechtem WLAN, Angst vor zu viel Regen und warmen Bier, Angst vor der Steuer und dem Erwachsenwerden. Die Angst ist so allgegenwärtig, dass wir uns schließlich auch ein bisschen vor ihr selbst fürchten könnten. #angstvorangst

Jetzt wollen wir nicht nur auf die Angst schimpfen. (Nachher tut die uns noch was.) Sie ist immerhin auch ein Grund, warum wir das hier schreiben können. Als Urinstinkt hat sie uns geholfen zu überleben und dafür gesorgt, dass nicht eine Gruppe muskelbepackter Säbelzahntiger kurzen Prozess mit unserer Spezies gemacht hat. Über eine Packung Nächstenliebe hätten sich auch die Tiger gefreut, ihren Mittagshunger hätte sie nur kaum gestillt.

Doch die Furcht, wie wir sie heute kennen, erfüllt einen anderen Zweck. Sie raubt Motivation, wo Mut voranbringen könnte. Sie schürt Zweifel und zersetzt Vertrauen. Sie lähmt uns im wahrsten Sinne des Wortes: So reagieren Menschen in extremen Gefahrsituationen – wir erinnern uns an den hungrigen Säbelzahntiger – entweder mit dem Kampf (“fight”) und der sofortigen Flucht (“fly”) oder aber mit einer Schockstarre (“freeze”). Nicht umsonst warnt sogar Meister Yoda vor den schrecklichen Folgen der Furcht:

Jetzt wird manch Angsterfüllter das Bedürfnis verspüren, der Furcht einen anderen Namen zu geben. Einen netteren, auch nicht immer unberechtigten. Mit Bedacht verraten wir euch den Namen: die Vorsicht. Die Vorsicht ist die kleine Schwester der Angst, die doch lebensrettend ist. Sie bewahrt uns davor, bei 200 km/h auf der Autobahn die Augen zu schließen, sie erinnert uns daran, Wein nicht mit Bier zu kreuzen und Arbeitseinsätze stets nur mit adäquater Sicherheitsausrüstung zu bestreiten. Der Vorsicht verdanken wir viel, auch dass wir noch diverse Körperteile besitzen.

Und so geht es uns nicht darum, den blanken Irrsinn auszurufen. Nein, diesmal wirklich nicht. Wir brauchen durchdachtes Tun und Handeln in allen Bereichen des Schaffendürfens. Wir haben nur Angst, dass manchmal die Grenzen zwischen notwendiger Vorsicht und betäubender Angst verschwimmen können. Dass die Angst treibt und Motivation und Schaffenskraft junger Leute im Keim erstickt. Obwohl doch das Ziel das gleiche ist. So können zwar Jüngere vor Leichtsinn bewahrt werden, doch so manch frische Idee und notwendige Erfahrung bleiben auf der Strecke.

Über den Grad zwischen notwendiger Vorsicht und notwendiger Verwegenheit lässt sich endlos streiten. Da wir zu panisch für ein eigenes Schlusswort sind, schließen wir mit der letzten Strophe des Gedichts “Was es ist” von Erich Fried:

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Im Auftrag des Herrn unterwegs“

Freunde des gesprochenen Wortes,

heute widmen wir uns einem Gottesstreiter, Beter, Werkzeug, Weisheit-Tragendem und Bier-Braunendem. Wer hat es schon erraten? Es geht um den Mönch. Oder auch die Nonne, wie Mann/Frau es nimmt. In jedem Fall um einen Berufszweig, der heute vielleicht wenig attraktiv erscheint. Und als wenn das nicht schon reichen würde, gibt es den johannischen Mönch BISHER gar nicht…

Welch wahrhaft Gläubiger will das nicht? Sein Leben voll und ganz in den Dienst des Glaubens stellen. 24/7 im Auftrag des Herrn unterwegs. Nach asketischen Idealen leben und sein Seelenheil fernab jeglicher Weltlichkeit finden. Doch anstatt Luftsprünge (fast bis in den Himmel) zu machen, winken die meisten heutzutage ab: Ist dann vielleicht doch etwas heftig, den ganzen Tag nur „Ora et Labora“. Und das dann alles nur unter Gleichgeschlechtlichen.

Dabei spricht für den Beruf zumindest eine lange Tradition. Den weltlichen Job zu kündigen und dafür spirituelle Ziele zu verfolgen, war schon vor hunderten Jahren angesagt. Im Christentum genauso wie im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus. Zugegeben, die Bezahlung war schon damals mies. Liegt wohl daran, dass die meisten Mönche in völliger Armut leben. Aber dem Materialismus abschwören liegt gerade wieder voll im Trend, wenn wir ehrlich sind. Wie in aller Welt kann Mönch-sein dann „Out“ sein?

Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen monos ab und bedeutet „allein“. Und tatsächlich gab und gibt es solche Mönche, die in völliger Einsamkeit leben und dabei die Beziehung von Körper/Seele/Geist und Gott weiter ergründen. Ja gut, einsam sein ist echt nicht cool – das Prinzip der kirchlichen Gemeinschaft ist auch irgendwie das exakte Gegenteil. Doch viel üblicher sind eigentlich Mönche und Nonnen, die in Ordensgemeinschaften leben, also in der Gemeinschaft. Rainer Maria Schießler, Deutschlands bekanntester katholischer Pfarrer, lebte selbst mal für einige Monate in der Gemeinschaft des Kapuziner-Ordens und war ziemlich angetan:

„Dann kommen die Mönche zum Gebet in ihrem Chorraum zusammen. Schweigend. Konzentriert sitzen sie da. Es ist dunkel. Es ist kalt. Du kämpfst mit dem Restschlaf. Und dann klopft der Guardian zweimal auf die Bank. Erheben. Introitus. Und das Gebet beginnt. […] Da entsteht allein schon über den Ton Gemeinsamkeit, vereint sich deine Stimme zusammen mit den anderen zu einer einzigen Vibration, die dich bis auf die Knochen durchdringt. Reiner Klang! Du bist auf einmal eins mit der Schöpfung. Du bist auf einmal eins mit Gott. Und völlig eins und aufgehoben im Sein und mit dieser Gemeinschaft von Menschen, die dich umgeben.“
– aus „Himmel, Herrgott, Sakrament: Auftreten statt Austreten“, S.40 (siehe HIER)

 

Hört sich bis auf „kalt“ und „dunkel“ gar nicht so uncool an. Doch um ehrlich zu sein: Trotz schöner Momente entscheidet sich auch Schießler letztlich, den Orden zu verlassen und nicht Mönch zu werden. In der Johannischen Kirche ist die Entscheidung einfacher: den Berufszweig des Mönchs oder der Nonne gibt es gar nicht. Warum eigentlich? Schließlich ist der Ausspruch „Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie“ unter den All-Time-Favourites aller Zeltlager-Wort-zum-Tage…

Nicht, dass wir hier Ideen in die Welt setzen wollen, aber wie episch wäre das? Eine Gruppe von johannischen Mönchen und Nonnen. Statt einem klassischen Ordenshaus müsste vielleicht eine kleine Hüttensiedlung herhalten. Die Essensauswahl ist minimalistisch und Arbeit gibt es auf Jahrzehnte genug. Auch zum Arbeiten herrscht Trachtpflicht. Dann könnte man endlich hauptberuflich ehrenamtlich sein. Gegen den kleinen Hunger vielleicht noch einen Nebenjob annehmen, zum Beispiel die Kirchenzeitung verteilen oder Handzettel zum Weihnachtsmarkt austragen (#cnd2017).

Na gut, sehen wir’s ein: Der johannische Mönch wird wohl auch in Zukunft eine unüberlegte Schnapsidee des Buschfunks bleiben. Der „modern Mönch“ will nicht so richtig hip werden. Und das hat ja auch sein gutes. Wie jeder für sich seinen Glauben auslebt, bleibt immer subjektiv und zu respektieren. Aber wir sind dann doch mehr der Typ „am Puls der Zeit“. Wir wollen dorthin, wo menschliche Charaktere wie tonnenschwere Baumaschinen aufeinanderprallen und sich aneinander abschleifen. Wir wollen keine Talente in Gemäuern vergraben, sondern sie raushauen, benutzen und abliefern. #schaffendürfen

Vielleicht muss der „modern Mönch“ gar nicht der in Tracht und im Kloster sein. Vielleicht lässt sich Arbeit und Gebet auch mit dem wahrlich ungesunden Lebensstil der Moderne vereinbaren. Und vielleicht reicht es ja auch, dass wir uns alle auf Wegen zum gleichen Ziel befinden.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Jo mei, a Festal halt“

Freunde des gesprochenen Wortes,

ein Fest steht an, da darf der Buschfunk nicht fehlen! Mindestens 1,5 Personen unserer Redaktion sind waschechte Bayern und wir sind in größter Vorfreude auf die Wiesn. Und da wir nicht mehr lallfrei reden können, diese Woche erneut eine Kolumne in schriftlicher Form über das Für und Wieder von Fest und Innehalten.

Da sitzt daaha. Dea Bayar. A Hüdal auf und a gescheide Moas in der Händ. Mehr brauchts a  net.

Damit wäre jedes Klischee bedient. Aber es ist ja auch was dran. Der Bayer trinkt gern und steht dazu. Am liebsten zum Oktoberfest, also im September. Einmal im Jahr wird die Landeshauptstadt des Freistaats besetzt. Von Touristen, die gerne wären wie der Bayer. Also Säufer. Das sind leichte Erklärungen, die uns nie gereicht haben. Schauen wir also unters Dirndl und in die Lederhose. Oder einfach hinter die Kulissen.

Wer wirklich schon mal am Sendlinger Berg flanierte, weiß dass das nicht alles ist: Das alte Karusell von 1950 quietscht lauter als die Fangemeinde, die Tracht von Opa Huber ist so ausgebeult wie seine fleischliche Hülle auf dem Bierbauch und während kaum noch einer die Texte zur Blasmusik kennt, lädt der Vier-Viertel-Takt doch zuverlässig zum Schunkeln ein. Touristen füllen Kassen, gibt es da noch Tradition?

Angefangen hat alles, wie sollte es anders sein, mit Mann und Frau. Gut, paar Pferde waren auch noch dabei, aber eigentlich ging es 1810 um die Vermählung von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese (nach der sogar extra eine Wiese benannt wurde). Die beiden wollten zur Hochzeit mal richtig einen drauf machen. Anlässlich dessen gab es in Minga unzählige private Feierlichkeiten, Pferderennen, Umzüge und alles, was ein Fest sonst noch brauchte. Leider sollte es noch einige Jahre dauern, bis endlich auch Kletterbäume, Kegelbahnen und Schaukeln dazu kamen. Ab 1880 wurde dann auch der Hopfen und der Malz essentieller Bestandteil und der schlimme, ja wirklich schlimme Kommerz nahm seinen Lauf.

1.000.000.000 Euro. Das ist eine eins mit neun Nullen, Leute (1 Milliarde). So viel Geld tragen die Einheimischen, Touristen, Traditionsliebhaber und Bierdienstleistende jährlich zusammen, um zu feiern. Das weltweit größte Volksfest erwirtschaftet mehr, als so manch Salomenischer Inselstaat in einem Jahr. Trotz viel Tradition hat das Oktoberfest ein klares Ziel: Geld verdienen, viel sogar. Das muss man nicht mögen, aber es ist die ehrliche Nummer. Wir vom Buschfunk würden das Geld auch nehmen.

Wir fassen zusammen: Eine Gruppe Eingeborener trifft sich mit Zugereisten, um tagelang Tradition zu leben. Die einen essen Hähnchen, die anderen Klöße. Männer tragen ledernde Hosenwaren während die Frauen alles hochschnüren. Es gibt Freizeitprogramm für jung und alt, die Halle wird festlich geschmückt und man darf ein letztes Mal am Biertisch in der Herbstsonne sitzen. Dazu dann ein, zwei und manchmal auch drei frisch gezapfte, deutsche Kulturgüter. Man freut sich über tolerantes und überbrückendes Zusammensein. Ein großer Dank an den Schöpfer darf nicht fehlen. Nicht abschweifen! Wir sind noch beim Oktoberfest. Den Wiesn-Gottesdienst gibt es seit 1956, jedes Jahr zudem es einige Taufen und der Pfarrer hilft hinterm Tresen mit.

Jetzt ist München für manche zu weit weg. Aus Berlin zum Beispiel ein ganz schön weiter Weg. Glücklicherweise gibt es auch näher dran Festlichkeiten, die sich vielleicht von Mutter Bavaria haben inspirieren lassen. Muss ja nicht nur sie finanziell profitieren. Solange alle fröhlich sind, ist doch schön. Manchen ist das aber zu viel. Zu viel Musik, zu viel Trinkerei zu viel eigenwillige Freistaat-Kultur und zu viel Kommerz. Absolut legitim, bayerische Tradition muss nicht jedem gefallen.

Und eigentlich ist zum Michaelistag seit Jahrhunderten Dank für die Ernte angesagt. Vielleicht in stiller Andacht, aber vor allem mit vollem Bewusstsein, dass wir wirklich dankbar sein können dürfen.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Der ernsthafte Dank mit dem Trubel des Geschäfts? Nichts, beides ist erlaubt. Auch wir mögen beides. Die Frage ist nur, was wir wollen. Wann, wo und für die Zukunft: Wohin?

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Zunge zeigen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

„Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ Gott hat augenscheinlich eine Zunge. Wie hätte er sonst diesen Satz aussprechen können, mit dem alles begann? Und hätte Gott keine Zunge, wer weiß, wie viel von der Schöpfung überhaupt geklappt hätte. In der Zunge steckt viel Kraft. Zu Pfingsten ein Plädoyer, sie bewusst und mehr zu nutzen.

Manch dauerpumpender Körperheld mag widersprechen. Doch ein unscheinbarer Muskel, den wir meist verstecken, ist der vielseitigste und mächtigste von allen. Er kann Kriege beginnen und beenden, besiegelt Gerichtsurteile und – viel schlimmer – Ehen. Die Zunge kann so ziemlich alles. Wer sich für ein Eis im Hörnchen entscheidet, ist froh, dass er die Zunge hat. Jugendliche suchen ihr Glück meist in den Hälsen ihrer Mitmenschen. Und ohne Zunge auch schwer: Heavy Petting.

Die Zunge ist schon ziemlich eingespannt. Entspannen kann sie sich eigentlich nur nach zwei bis acht alkoholischen Getränken. Neben den erfreulichen Dingen muss die Zunge noch vieles andere verrichten: schreien, singen, sich verbrennen und piercen lassen sowie Essen im Mund sortieren. Doch das wichtigste ist der Dienst an unserer Kommunikation. Vergesst Gestik, Mimik und all den nonverbalen Kram. Fangt an zu reden!

Die hohe Kunst der Diplomatie braucht ein jeder von uns. Egal ob Familie, Beruf oder Kirche. Wenn Worte nicht mehr reichen und Reden zu Schreien wird, bleibt meist nur noch eines: Schnaps für alle oder eben Gewalt.

Nun sind wir die letzten, die öffentlich Gewalt Zungen verherrlichen. Neben dem Buschfunk warnte bereits die Bibel vor der ungeheuerlichen Kraft des schlabbrigen Schnalzorgans. „Aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Giftes“, heißt es im Brief des Jakobus. Und der alte Knecht hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass Worte giftig, verletzend und Menschen wie Projekte zerstören können. Und behaupten, dass der BER-Flughafen spätestens gestern eröffnet wird. Die Zunge ist eine Waffe, im Guten wie im Schlechten.

Deshalb lieber Schnauze halten? Die Zunge kann auch viel Gutes bewegen: Konstruktives beitragen, trösten, zum Lachen bringen und motivieren. Und natürlich viel zu viel unqualifizierten Quatsch ins Internet blasen.

Die Welt ist wie ein Labyrinth: Wir Menschen sind irgendwo ausgesetzt und suchen den Weg nach außen, quasi straight back to Jesus. Wenn jetzt jeder für sich alleine losläuft, wäre das erstens selten dämlich und würde zweitens locker 80-90 Inkarnationen dauern. Doch zusammen lässt es sich besser zocken!

Wer sich abspricht, gegenseitig hilft und kurz vor dem Ziel nochmal laut „HIER“ ruft, der ist ein wahrer Freund. Zum Glück haben wir den schleckenden Schmeckmuskel mitbekommen. Man könnte fast meinen, um ihn benutzen zu dürfen. Natürlich können wir die anderen auch in die Irre führen und sie täuschen – doch der ist ein schlechter Held.

Auch zum Pfingstfest steht die Zunge wieder im Vordergrund. Im christlichen Glauben kam der Heilige Geist auf die Apostel nieder und ließ sie mit fremden Zungen sprechen. Worte haben Bedeutung und Kraft. Wichtig ist immer der Absender dahinter. Doch ohne den Austausch wird es schwer, etwas zu bewegen, zu motivieren, zu schaffen und zu verbessern. Bei vielen Worten können vielleicht zwei, drei mal daneben liegen. Aber wir haben die Zunge bekommen um sie zu nutzen; sie ist der stärkste Muskel, der übrigens auch am schnellsten verheilt. Sie ist ein krasses Gerät, deswegen sagen wir es jetzt alle ganz laut: „ZUNGE ZEIGEN!“

Zum Schluss ist uns auch wichtig: Wir beim Buschfunk sind froh, wenn uns jemand kritisiert anstatt gleich in den Bauch zu schießen. Neben der Zunge ist nämlich auch ein Luftdruckgewehr eine gefährliche Waffe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „AK Amtslos“

Freunde des gesprochenen Wortes,

eine Kette kann nur so stark sein wie ihr schwächstes Glied. Die Starken kennen wir alle – meistens stellen sie sich uns selbst vor. Aber wer sind die vermeintlich Schwachen? Vielleicht sind genau sie die unsichtbare Kraft, die im Hintergrund alles zusammenhält und gestaltet. Ein Beitrag über den kleinen Kirchenmensch der zweiten Reihe.

Kirchentag, spät dran: Suche hektisch nach einem Platz. Ahh, vorne ist ist noch einer – schnell hinsetzen und andächtig schauen. Aber was ist das? Ein Ordner wedelt mit beiden Armen, sein Gesicht rot angelaufen. Schweißausbruch bei mir. “Was hab ich falsch gemacht?” Achso, erste Reihe. Wie konnte das passieren? Bloß weg hier, da ist noch ein Platz. Dritte Klasse, nee Reihe. Leider aber der Platz des Ordners, also weiter auf Wanderschaft. Zwei Minuten hab ich noch, ich renne. Reise nach Jerusalem ist nichts dagegen.

Sport am Sonntag kennen viele Gläubige. Doch für manche birgt es noch mehr Tücken. Eine kleine, große Schar an Menschen, die immer dabei sind, doch zu selten erwähnt werden. Sie sind der eingeschworene Kern, der keine Verantwortung braucht um mitzutragen. Der nicht lange überlegt, sondern anpackt. Der viel bewegt und immer noch unterschätzt wird. Sie brauchen weder Titel noch Fortbildungen. Sie sind die Ersten in der zweiten Reihe – der Arbeitskreis Amtslos.

Die Gründung dieses neuen AKs war längst überfällig. Ein Sammelbecken für alle Motivierten und Helfer, die ohne offizielle Berufung schaffen dürfen. Ständig am Helfen, doch nichts zu entscheiden. Nicht einmal Seminare sind dafür notwendig. Sorgen und Ängste besprechen die Amtslosen in spontanen Treffen. Jeder ist gerne gesehen, sogar Gäste mit Amt. In der amtslosen Gemeinschaft nimmt sich keiner wichtig, der Nächste ist wie ich.

Bei so viel Harmonie schaut so mancher Amtsträger fast neidisch hinüber. Von einer Aufgabe zur nächsten hetzend, vieles auf einmal und abends zur Tagung. Er kann das extra Kraftpaket von oben gut gebrauchen. Aber während der Amtslose sein unaufhaltsames Engagement selbst dosiert, bestimmt für den Träger das Amt die Dosis. Meistens nicht zu knapp. Frust wird zur Routine und die Freiheit schnell zur Pflicht.

Wo zu viel Arbeit herrscht, wird manche Gemeinde erfinderisch. Dort stellt der AK Amtslos schon fast die Minderheit: lieber gleich ein Amt statt nur Verantwortung. So kann man sich der Mitarbeit auch sicher sein. Wer das weiterdenkt, kommt schnell zu neuen Amtsideen: Vom Klimaordner bis zum Kaffeehelfer. Das Potential scheint unbegrenzt. Auch ein Rasenbeauftragter könnte in vielen Gemeinde wichtige Hilfe leisten. Nicht zu vergessen der Choralnummer-Aufsteller ohne den mancherorts schon nicht mehr gesungen werden kann.

Wenn jeder ein Amt hat, hat auch jeder seine Wichtigkeit. Da schafft der Rest-Wein beim Abendmahl keine ganze Runde mehr. Das kann ja auch nicht die Lösung sein. Gibt es keine anderen Möglichkeiten? Wenn alle, die helfen wollen, in einem Boot sitzen. Wenn jeder Ruderlenker selbst mitrudert. Wenn Kapitän und Matrosen eine Mannschaft sind. Wenn keiner von beiden überfordert, aber alle mitgenommen werden.

Zum Glück ist der AK Amtslos gar nicht ohne Amt. Vielleicht haben seine Mitglieder sogar das schwierigste von allen. Ohne sie bleibt es meist nur bei der Theorie. Bei nicht gelesenen Protokollen und den Worten ohne Tat. Der Amtslose ist der kleine Kirchenmensch, ohne den nichts funktioniert. Kann auch nicht oft genug gesagt werden. Selbst wenn sein Taufspruch “Verantwortungslos durchs Kirchenleben” ist und immer wieder heißt. Er ist das Rückgrat, der Erste in der zweiten Reihe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Motivation in tausend Worten“

Freunde des gesprochenen Wortes,

ja wir wissen es ist Winterpause… Wir können trotzdem nicht unsere Finger vom Mikro oder Schreibblock lassen. Die folgende Kolumne erscheint diese Tage im neuen Gemeindebrief der Gemeinde Gößweinstein. Die herausragende Zusammenarbeit dieser beiden Redaktionen äußert sich so, dass der Buschfunk den Beitrag für den Gemeindebrief verfasst hat, dieser aber auch bei uns online erscheint. Viel Spaß beim Lesen und schaut gerne auch in den Gemeindebrief rein!

Samstag, endlich Wochenende. Der Wecker geht um 7:30 Uhr, wir wollen ja pünktlich zum Arbeitseinsatz da sein. Irgendwas wird ja immer geschafft. Nachmittags noch Planungssitzungen oder letzte Vorbereitungen für morgen…
Sonntag, der Tag des Herrn: Ausschlafen bis acht. 9:30 Uhr Treffen zum gemeinsamen Gebet, danach in die Religions- und Konfirmandengruppen, außerdem stehen Sakrament und Chor stehen. 11 Uhr Gottesdienst. Sollen aber schon 10:45 Uhr im Andachtsraum sitzen. Still. Zum Runterkommen. Nach dem Amen gemeinsames Mittagessen, Kindergruppen und Tagungen. Ein ganz normales Wochenende also. Nach den Tagen des Kraft Tankens dann zurück an die Arbeitsstelle, bis Montagabend, da ist nämlich Chorprobe…

Ja, als eifriger Gläubiger hat man kein leichtes Leben (#Jammertal). Was zu tun gibt es immer. Je kleiner die Kirche, desto mehr Projekte. Eine neue Aufgabe steht an? Da wird das Abwägen zwischen Ja und Nein sagen schnell zum Spießrutenlauf. Faule Nein-Sager haben ein Motivationsproblem, chronische Ja-Sager sind schnell die Deppen. Wir alle pendeln wohl irgendwo dazwischen. Wie sieht es aus mit unserer Motivation?

Nun mancherorts hat diese schon ganz schön gelitten. Das menschliche Aufreiben (manchmal auch Aneinanderreiben) hinterlässt bei jedem Spuren. Besonders wenn Erfolge für uns Menschen nicht immer gleich sichtbar sind. Auch jahrelanges Bemühen hat sich vielleicht nicht so ausgezahlt, wie wir es uns erhoffen. Nerven liegen blank und Enttäuschung macht sich breit. Der Blick in die Zukunft sieht aus mancher Sicht nicht rosiger aus. Da braucht dann nur noch einer kommen und Kritik anbringen und alle Zutaten für eine explosive Frustrationsbombe sind zusammen. Eine Frage schießt in den Kopf: warum tun wir uns den ganzen *Piep* überhaupt an?

Um intelligent zu klingen, flüchten wir uns in die Psychologie: Motivation ergibt sich aus der Erwartung, bestimmte Ziele und Zustände mit dem eigenen Handeln zu erreichen. Je besser die Chancen des Erfolgs, desto höher die Motivation. Die Ziele können dabei von außen her (Lob, Geld, Prestige) oder von innen her (Erfolg, Gestaltung, Beschäftigung) kommen. Auch in der Kirchen- und Gemeindearbeit gilt also für jeden einzelnen: Warum helfe ich mit (oder nicht)? Was ist meine persönliche Motivation?

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Ausreden sind schnell gefunden: keine Zeit, mir hilft ja keiner, ich kann eh nichts bewirken, nicht finanzierbar, ich kann das nicht und das Ganze bringt doch sowieso nichts. Was kann man dem gegenüber stellen? Da müssen auch wir nachdenken. Bei den einen ist es das Pflichtbewusstsein mal “Ja” zum Ganzen gesagt zu haben, bei den anderen vielleicht die Verantwortung die Kirche weitergestalten zu dürfen oder die Begeisterung für’s Werk. Und für manch einen auch nur das Feierabendbier in fröhlicher Gemeinschaft. Kasus Knacktus (für die Deutschlehrer im Publikum) ist aber auch ein gemeinsames Ziel. Ein Ziel, das uns verbindet und so manchen Knatsch am Wegesrand vergessen lässt.

“Das Ziel heißt Überwinden.” Moment, das ist jetzt etwas theoretisch. Und mit der Moral wollen wir schon gar nicht kommen. Aber eine Vision auch für jede Gemeindearbeit, kann hilfreich sein und Motivation schaffen, wo sie manchmal fehlt. Wo wollen wir hin mit Dings? Was ist die Vision für Bumms? Deshalb gilt: Ziele setzen, manchmal auch nur kleine. Und natürlich die Frage: Was ist es mir wert, diese Ziele auch zu erreichen?

Von dem irischen Literaturnobelpreisträger George Bernhard Shaw stammt der folgende Satz: “Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was man hat. Ich glaube nicht an Verhältnisse. Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen. Und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst.”

Was hält uns also ab? Zu oft auch noch die Angst etwas falsch zu machen, egal ob sie von uns kommt oder von außen! Dabei ist Angst die schlechteste Motivationshilfe. Neugier, Mut und Begeisterung sind viel bessere Helfer, von einem gesunden Gottvertrauen mal abgesehen. Wir alle haben unsere Talente (ja auch die biblischen, knickknack) mitbekommen. Und wer scheitert, hat es zumindest probiert. Eine Tat statt noch mehr Worte.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Neues Update – Reformation“

Eigentlich wollten wir diesen Text an eine Tür hämmern. Doch da keiner seine Tür zur Verfügung stellen wollte und wir für die Nägel extra nochmal in den Baumarkt hätten fahren müssen (#schaffendürfen), muss nun wieder die Buschfunk-Seite herhalten. In unserer Kolumnen widmen wir uns dem aktuellen Thema Reformation, was für viele wohl eher ein geschichtliches Ereignis ist. Wir schauen lieber in die Zukunft…

Wir befinden uns im Mittelalter. Es ist genau 1139 Jahre nach Christi Geburt und 500-1000 eingestaubte, graue Eminenzen hocken wochenlang bei einer Tagung in Rom zusammen. Im Abschlussprotokoll, dem Titanpad von damals, wird man später lesen können, dass die Priesterehe offiziell für nichtig erklärt wird. Die Erklärung hat Papst Impo…, Verzeihung Innozenz II. bereits vor neun Jahren geliefert:

„Da die Priester Tempel Gottes, Gefäße des Herrn und Heiligtümer des Heiligen Geistes sein sollen … verstößt es gegen ihre Würde, dass sie in Ehebetten liegen und in Unreinheit leben“ (Mansi, Sacr. conc. collecio 21, 438).

Nun wie kommt eine Hundertschaft fehlgeleiteter, menschlicher Besserwisser darauf, eine derartige Regel in die Welt zu setzen, die noch heute tausenden männliche Priester und Familien das Leben versaut? Wenn das Ganze dem Herrgott so wichtig gewesen wäre, hätte es doch eine Erwähnung dessen in der Bergpredigt oder eine kurze Fußnote auf den Gesetzestafeln vom Sinai auch getan. Ohne interkonfessionelle Zusammenarbeit jetzt weiter unnötig erschweren zu wollen, kommen wir mal zum Punkt.

Über die knapp 1000 Jahre hatte sich in der katholisch-lateinischen Kirche schon ein enormer Verwaltungsapparat entwickelt, in dem immer mehr Regeln und Vorschriften von immer mehr Menschen in Ämtern aufgestellt wurden. Kirche ist neben Glauben, Gemeinschaft und Botschaft (#nächstenliebe) auch immer eine Institution, eine von Menschen betriebene Organisation. Menschen wiederum machen Fehler, oft auch noch nach bestem Wissen und Gewissen.

Je älter ein Apparat, desto schwierige ist es Strukturen zu durchbrechen und auf dem kurzen Dienstweg mal das Zölibat wieder abzuschaffen. Nun ist die christliche Lehre der Nächstenliebe in ihrer Einfachheit kaum zu unterbieten. Trotzdem scheinen menschliche Fehler und Bürokratie immer wieder davon abzulenken. So waren die großen Reformatoren Martin Luther und Joseph Weißenberg (für uns Johannis-Christen) vor allem bemüht, auf diesen urchristlichen Kern hinzuweisen. Diesen Kern, über den inzwischen schon wieder ein Wust an Regularien und “Ich habe mal gehört”-Sätzen wuchsen und sprießten. Doch anstatt zu jäten, entschieden sich manche lieber immer weiter zu gießen.

Am Montag ist Reformationstag (31. Oktober). Neben der Erinnerung an Dr. Martin Luther (so viel Zeit muss sein) jährt sich an diesem Tag die Gründung der Johannischen Kirche zum 90. Mal. Anlässlich dieser außerordentlich verdächtigen Datenüberschneidung stellt sich eine einfache Frage: wann beginnt eigentlich diese Verkrustung? Wann stehen Regularien im Weg und lenken uns von der Einfachheit der Lehre ab? Ab wann wird nur noch verwaltet anstatt zu gestalten?

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90 Jahre wird sicherlich keinen entscheidenden Wendepunkt markieren. Verkrustung und Stillstand können schon an Tag 1 entstehen. Überall dort, wo man sich aus Angst, Machterhalt, Ungewissheit und Unsicherheit an Kleinigkeiten aufhängt, bleibt kein Platz für Offenheit, Nächstenliebe und das Hören auf das innere Gesetz (#gewissen). Zumal eine gemeinsame Regel immer unkomplizierter ist, als ständiges Auseinandersetzen mit individuellen Befindlichkeiten und Ansichten, also immer wieder auf den Nächsten zuzugehen.

Während manch ein Johannis-Christ mit Blick auf ältere Kirchen und unsere relative Flexibilität triumphiert, sollte stets die Frage im Raum stehen, welch hirnrissige Schnapsideen wir in 1000 Jahren aus dem Boden stampfen könnten. Doch wie kann sich eine Kirche davor schützen? Hätte der Buschfunk das Patentrezept, würden wir sicherlich in alteingesessenen Großunternehmen Millionen verdienen und unsere Kolumnen unter Palmen schreiben. Wir können Euch versichern, dies ist NICHT der Fall…

Trotzdem werden wir weiter Werbung machen für Buschfunk für kontinuierliche Reformation, ständiges Hinterfragen und Blicken auf das Wesentliche: den Kern der christlichen Lehre. Bloß kein Verhaften in “das Haben wir immer schon gemacht” oder “das hat schon seinen Sinn.” Denn wir sind keinen Stück besser als die 500-1000 Einfaltspinsel des mittelalterlichen Konzils; wir haben nur nicht so viel Bürokratie zwischen uns und dem christlichen Auftrag.

Regeln haben ihre guten Seiten. Nicht zuletzt hat uns Vati vor tausenden von Jahren mal 10 Stück extra aufgemeißelt. Doch wenn die Regeln von uns Menschen kommen, waren da immer auch eine ganze Menge Nieten dabei (#zölibat). Reformation bedeutet Offenheit, Flexibilität, Hinterfragen, Erneuerung und in unserem Kontext nicht zuletzt Wiederherstellung von etwas letztlich extrem Einfachem – Nächstenliebe über alles zu stellen, sogar über Regeln.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Das Ende vom Anfang“

„Das kann doch nicht Dein Ernst sein. Was hast Du Dir dabei gedacht?“ Ich stammele vor mich hin. Es rattert, zischt und pfeift. Lautlos hoffentlich. Nach viel zu kurzer Zeit eröffne ich mein Plädoyer: „Jugend ist…“

…eine Definitionssache? Eine Empfindung und nicht mehr? Ein Altersabschnitt oder ein Gefühl? Oder einfach das perfekte Alibi? In meinem Kopf umkämpfe ich Wort für Wort. Irgendetwas Erklärbares müsste es doch geben. Sogar ich muss mich diesem Thema mal stellen. Ich will schließlich auch mal mit verklärtem Blick von „früher“ oder „damals“ sprechen. Als ich noch jung war.

Aber man wird halt älter – oder reifer? Horizonte verschieben sich und Sehstärken wandern munter durch die Gegend.  Jugend ist aus und vorbei. Mit 25 wie wir wissen. Und nach dem Aufstehen bin ich ein anderer.  Viel erlebt und trotzdem gerade erst ausgebildet, um richtig durchzustarten.  Aus meinen Fehlern gelernt… mal sehen. Aber ist jetzt wirklich alles anders?

Jugend darf sich ausprobieren. Muss sich ausprobieren. Und scheitern, wie gewinnen. Jugend ist flexibel, unverbraucht, dynamisch, kreativ, naiv, motiviert, frisch, mutig, auf der Suche, neugierig und vor allem sexy. Das alles eben bis 25. Danach… na das werden wir jetzt sehen. Ich bin bereit mich vielen neuen Adjektiven in den Weg zu stellen.

Theorie abgeschlossen. Doch nach der Tagung kommt das Leben. Es gibt sie: die Freigeister, Frischdenker und heimlichen Vorbilder, deren Namen man nicht zu sprechen wagt. Die auch mit 68, 54 oder aufwärts ihren jugendlichen Schaffensdrang keinesfalls in der Garderobe abgeben. Die Dampfwalzen der mitwirkenden Ehrenamtlichkeit. Sie zeigen uns, dass zwischen 25 und 75 für den Herrn auch nur ein Wimpernschlag liegt.

Das lässt ja hoffen. Motiviert bin ich ja schon. Motiviert jugendlich zu bleiben. Nicht auf meine Jugendzeit zurückschauen, sondern weiter bauen. Hab eigentlich schon vergessen, was in meiner Jugend war. Ab jetzt wird abgeliefert. Ordentlich. Genauso frisch, naiv und dynamisch wie bisher. Und vor allem sexy.

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Wer seine Jugend  vermisst, hat sich zu früh selbst erzogen. Abgegeben um Erwachsen zu werden.  Doch wenn sie erstmal weg ist, bringen auch bonbonfarbende Haare oder eine Harley Davidson Maschine  sie nicht zurück. Ganz im Gegenteil: was außen dranhängt, kann drinnen nicht sein. Jeder Hobby-Schamane wird dasselbe erzählen.

Drum blicke ich nicht zurück.  Die Zeit war gut und schlecht und kommt vor allem nicht wieder. Wenn Stillstand Rückgang ist, dann ist der Wunsch nach dem Vergangenen wohl ein kompletter Holzweg. Mit allem jugendlichen Leichtsinn und charmanter Selbstüberschätzung geht’s volle Möhre nach vorn. Deshalb bleibe nicht stecken mit deinem Fuß im Aschehaufen, sondern steige mit mir wie ein Phönix aus den Trümmern Deiner Jugend empor.

Janosch, Robin & Dimitri
Buschfunk-Redaktion