Kolumne / Beiträge

Kolumne „Schlaue Hilfe“

Freunde des gesprochenen Wortes,

die Hilfe ist eine grundchristliche Tugend. Unser Glauben ist runtergebrochen nichts anderes als ein riesiger Wettbewerb mit dem Ziel, den wirklich kleinsten aller Diener zu finden. Momentan unangefochten auf Platz 1: Jesus Christus. Aber wir streben ihm nach, stets bereit unsere eigenen Interessen hintenan zu stellen: Hilfe Leisten, da Sein, Trösten. Aber ist Hilfe wirklich immer Hilfe? Und wann braucht der Gehilfe vielleicht selber Erste Hilfe…? Eine Kolumne.

Das “Ja” ist bei uns Christen die beste Antwort, die man geben kann. “Ja, ich mache das.” “Ja, Danke für dein Vertrauen.” Und auch: “Ja, ich hab zumindest sowas ÄHNLICHES schonmal gemacht.” Was hier zwischen den Zeilen oft verloren geht, sollte man vielleicht auch mal erwähnen: “Ja, ich hab zwar eigentlich keine Zeit, aber das wird schon irgendwie.” “Ja, wobei ich eigentlich keine Ahnung davon habe.” Und natürlich: “Ja, und der Herrgott steht mir bei, dass ich ab morgen fließend russisch spreche.” Aber manchmal ist es eben einfach: Helfen, wo sich die Gelegenheit bietet, wie viele Inkarnationen sollen das denn sonst noch werden?!

Aber warum ist das so? Warum ist die Hilfsbereitschaft so groß, dass gesunder Menschenverstand zumindest manchmal skeptisch von hinten zuschaut? Naja, wirtschaftlich würden wir es so beschreiben: Nachfrage ist immer da, das Angebot nur selten. Mit anderen Worten: Es brennt an allen Ecken und es gibt genug zu tun. Und die Zeiten, wo es 20 Alternativen für unsere helfende Hand gab, sind lange vorbei. Wenn es sie denn je gab. Unsere Hilfe wird also gebraucht. Oft dringend, teilweise akut und in der Regel dauerhaft.

Und versteht uns nicht falsch. Jede Hilfsbereitschaft ist immer etwas Positives. Ihr Ursprung liegt in der Liebe zum Nächsten, zur Liebe selbst und sie ist erste Voraussetzung für unsere große Community. #communityoflove #startupflair #schatzichmachheutdenabwasch Aber bei all dem Geschmuse bleibt doch eine Frage: Ist gutgemeinte Hilfe immer hilfreich? Schließlich kann ein Rettungsanker auf stürmischer See für Ruhe sorgen, trotzdem ist der Nichtschwimmer gut beraten diesen nicht als Schwimmflügel-Ersatz zu nutzen. Auch, wenn der Anker es doch gut mit ihm meint. #metapher #bildlichervergleich

Um diese Frage zu beantworten, gehen wir zurück an den Anfang. Neben der Liebe zu Gott steht folgender Punkt in der irdischen Hausordnung an erster Stelle: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” (Quelle: Wikipedia, aber auch Markus 12,31). Das “wie dich selbst” ist entscheidend. Denn das eine geht nicht ohne das andere. Nur wer Liebe, Wertschätzung und gesunde Empathie zu sich selbst empfindet, kann dies weitergeben. Wir können dem Nächsten keine seelische Stütze sein, wenn wir selber ein seelisches Wrack sind – und selbst eine seelische Stütze bräuchten. Was hier im Kleinen beginnt, zieht sich fort ins praktische Helfen, in ehrenamtliche Aufgaben und bis zur allergrößten Aufopferung.

Um also Helfen zu können braucht es in erster Linie die Ehrlichkeit zu sich selbst: Was kann ich leisten? Wo bin ich tatsächlich eine Hilfe? Wo wirke ich als Nitroeinspritzung und nicht als zusätzlicher Bremsklotz? #ppffiiauuuuuu #lautmalerei Sinnvoll Helfen kann vor allem der, der in der Lage dazu ist. Und dabei gibt es auch viele Gründe, warum es gerade nicht passen kann. Seien es andere Verpflichtungen, die eigene Gesundheit, fehlendes Wissen oder einfach Unsicherheit. Viele dieser Dinge sind menschlich. Sie sind normal und zu akzeptieren, denn es zeichnet jeden aus, der sich selbst gut einschätzen kann.

Wir wollen alle immer helfen und das ist auch gut so. Aber nicht umsonst beten wir (hoffentlich) auch um Weisheit und Verstand. Damit die zwei sich mit unserem Drang zum Helfen (ergo Liebe) verbinden. Und somit ist ein “Nein” keineswegs immer ein “Nein” zur Nächstenliebe. Kein “Nein” zum Werk und kein “Nein” zum Gegenüber, der einen gerade um Hilfe bittet. Es ist am allerbesten, wenn jemand mit guter Selbsteinschätzung “Ja” zu einer Aufgabe sagt. Aber dem “Nein”-Sager sollten wir nicht absprechen, nicht auch ernsthaft mit sich gerungen zu haben. Und ein “Nein” kann auch beinhalten: “Meine Hilfe ist an anderer Stelle sinnvoller.”

Kommen wir zum Schluss: Ein ernstgemeintes “Ja” ist episch. Doch brauchen wir eine Kultur, in der ein “Nein” nicht automatisch etwas schlechtes ist. Keine Verweigerung am Dienst des Herrn und ein persönliches im Stich lassen. HILFREICH ist hier ein Vertrauen in die Selbsteinschätzung des Nächsten. Und das Gottvertrauen, dass es nicht nur diese eine Person mit genügend Gottvertrauen schafft, sondern sich mit wirklich genügend Gottvertrauen vielleicht auch eine andere Person findet – oder eine ganz andere Option sich ergibt. Und bevor jetzt jemand schreit: Es wird immer Menschen geben, die dieses Vertrauen ausnutzen. Aber genauso wird es auch immer Menschen geben, die sich maßlos selbst überschätzen. In diesem Sinne beste Grüße aus der Redaktion…

Wer hört nicht gern Buschfunk!

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Hühneraugenhöhe“

Freunde des gesprochenen Wortes,

Christen sind gut beraten schlechte Kopfrechner zu sein. Denn egal ob katholisch, evangelisch oder johannisch: Wir sind eine heimgehende Sorte, nur das keiner nachkommt. Beim Blick auf die Zahlen ist das sicherer als das Amen in der Kirche. Woran liegt’s und was kann jeder tun? Wir wären nicht der Buschfunk, wenn wir nicht zumindest einen unausgereiften Master-Plan in der Redaktionsschublade hätten.

Wie soll’s bloß weitergehen? Mal ehrlich. 367.504 allein im Jahr 2017. Das ist leider nicht der Jahresverdienst eines unterqualifizierten, doch sehr engagierten Buschfunk-Redakteurs und auch nicht die Mitgliedszahl der Johannischen Kirche. Sondern das sind die Austrittszahlen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. So viele Menschen sind weg. In nur einem Jahr. #keinBock #machtEurenScheißAlleine #mannÜberBord

Was wir hier mal galant übergehen (okay jetzt doch nicht), sind diejenigen fleißigen Beitragszahler, die rein gar nichts mehr mit Kirche, Gott oder christlichem Glauben anfangen können. #trotzdemDankeFürDieKohle Sogenannte Karteileichen. Gut für die Kasse, doch im Kern meist schon verloren. Wer bleibt dann noch übrig? Das hört sich für die großen Kirchen ja echt übel an. Nur gut, dass wir keine genauen Zahlen unserer Kirche kennen…

Doch das Ergebnis dieser hochkomplexen mathematischen Subtraktionsformel (also eine durch und durch negative Minusrechnung mit schlechtem Ergebnis) bleibt überall das gleiche: leere Kirchen und ein immer ärmer werdendes Gemeindeleben. Das ist traurig. Nicht wegen antiquierten Bräuchen, einer verrosteten Institution oder gar steifer Tradition. Mal ehrlich: Scheiß auf Tradition! #futureRocks #cyberchurch

Aber es ist traurig. Weil auch viele der jungen Generation weiter nach einer spirituellen Ausrichtung suchen. Sich in einer anonymen und leistungsgetriebenen Gesellschaft nach dem Zusammenhalt, Trost und genau dem positiven Grundgefühl sehnen, die einem der Glaube an Nächstenliebe und die dazugehörige Gemeinschaft bieten können. Diese Abkehr ist zum einen verständlich, da sich alle Kirchen selbst immer unattraktiver gemacht haben und sich teilweise komplett der Gegenwart verweigern: Sie gehen nicht mit der Zeit, sie gehen mit der Zeit. #geilerKalenderspruchRainer

Realitätscheck Gegenwart: Um junge Leute wieder für die Kirche zu begeistern, müsste diese wahrscheinlich ein Backpack-Büro in Melbourne eröffnen, Jeeps im Nationalpark verleihen und Surfkurse zur Konfirmation verschenken. Klingt grundsätzlich geil, ist aber nicht der eigentliche Gedanke dieser Kolumne (wobei’s geil wär…)

Dass Weltreisen, der chronische Hass gegen langfristige Verpflichtungen und ein möglichst episodenhaftes Abenteurerleben den Wünschen vieler junger Leute entspricht, ist klar. Der “Glaube a la Carte” ist nicht umsonst beliebter denn je. Die Frage ist, wie Kirche (und damit jeder, der diese erhalten will) damit umgehen. An dieser Stelle verweisen wir auf den Münchner (logo) katholischen Geistlichen Rainer Maria Schießler:

“Die Ströme fließen in die Gegenrichtung, von uns fort, und wir Priester, so schwer das einigen fallen wird, müssen runter von unserem hohen Ross und wieder lernen, dass wir jedem, wirklich jedem Menschen in unserer Gemeinde im positiven Sinne hinterherlaufen und um jeden Gläubigen kämpfen müssen. Lernen, dass wir Dienstleister sind im Glauben, dass wir jeden Tag Fußwaschung haben, nicht nur symbolisch, nicht nur für die Länge eines schönen Chorals und nur einmal im Jahr am Gründonnerstag, sondern täglich geht der Pfarrer mit mir auf Augenhöhe - und noch tiefer: auf Hühneraugenhöhe.”
Rainer Maria Schießler

Schießlers Aussagen zeugen natürlich von großer Selbstkritik (und damit hat er dem Buschfunk definitiv was voraus…). Die Priester müssten von ihrem hohen Ross herunter, meint er. #rossUndReiter Wir möchten sogar weitergehen und behaupten, dass dies jeden betrifft. Jeder, der ernsthaft über Glauben spricht, ist in solchen Momenten Priester. Gerade in einer – naja – kleineren Kirche (suchet Euch ein beliebiges Beispiel). #kleinAberFein #wiegenStattZählen

Hühneraugenhöhe kann ein Maßstab sein, wie wir miteinander umgehen. Jeden Tag eine Fußwaschung: Mit denen, die noch da sind. Mit denen, die sich interessieren oder gerade gehen. Oder mit denen, die nach langer Zeit vielleicht mal wieder vorbeischauen. #verlorenerSohn #Heimweh #dasNächsteBierGehtAufMich Keine Besserwisserei, kein Erheben oder Belehren. Und sich nicht zu schade sein, auch noch den letzten Schritt zu gehen. Um jeden kämpfen, der Interesse am Glauben hat. Und bevor jetzt jemand schreit: Hier ist natürlich wichtig zu unterscheiden, ob sich jemand wegen dem Glauben selbst oder “nur” wegen der Institution von der Kirche abwendet.

Wer ernsthaft Interesse hat am Fortbestehen so vieler Gemeinden und Lebensmittelpunkte, die Halt geben, kann die Verantwortung nicht auf die noch verbliebenen Priester, Pfarrer, Prediger, Geistlichen oder was-weiß-ich-wie-die-sonst-noch-heißen schieben. Ganz egal, welcher Religion oder Konfession. #istDeinJob #habMichNichtGemeldet #DienstNochZuVergeben

Der Fahrplan für die Rettung des christlichen Glaubens ist letztlich super easy und kommt vom Son-of-Heaven selbst: Wer andern seine Füße wäscht, sollte diese auch noch abtrocknen. Wenn wir uns dafür nicht zu schade sind und den Menschen im positiven Sinne hinterherlaufen, klappt’s auch mit den Glaubensfreunden.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

 

Kolumne „Dem Herbst Entgegenfeiern“

Freunde des gesprochenen Wortes,

auch wenn der Blick aus dem Redaktionsgebäude etwas anderes verspricht, müssen wir die Zeichen der Zeit erkennen: Die Blätter halten sich nur noch mit müher Not am wettergegerbten Geäst. Sie klammern sich an die Power des Trees, doch werden sie fallen, bunt und leise. Es herbstet. Und der Buschfunk lullt sich ein in die Depression, um wie ein Phönix voller Elan aus dem Blätterhaufen emporzusteigen.

Ach liebe Hörerinnen und Hörer, wir haben es manchmal nicht leicht. Nein wirklich. Wir Buschfunker und Redaktionsmitglieder sind auch nur Getriebene des #herbstblues. Ein schaffensreicher Sommer liegt hinter uns, die Schule hat wieder angefangen und selbst das Erntedankfest ist vorbei (#dankenochmal). Wir stehen im Dunkeln auf, reiben uns die Redaktionsäuglein und wenn die Feierabendstunde schlägt, ist die Sonne schon wieder von dannen.

Der Alltag hat uns wieder, kein großes Kirchenfest in Sicht. Worauf sollen wir uns denn freuen? Statt abends bei einem Gläschen herbstlich gereiften Traubensaft Pläne zu schmieden und Revolutionen auszuhecken, denken wir lieber über das nächste Pfingsten nach: Was zieh ich an? In welchen Dienst trag ich mich ein? Wie viele gute Gespräche werde ich führen? (Und nochmal zur Kleidung: Soll ich nicht besser jetzt schon bestellen? #irdischesgewand)

Wir wissen, was Ihr jetzt sagt: Moment mal, habt Ihr in Eurer flapsigen Depression nicht ein Fest vergessen? Ist seit 2018 Jahren ein recht großes Ding, kann man selbst in schäbigen Ställen feiern und es gibt Gold… Na, klingelt das was? Glöckchen vielleicht? Klar, geht um Weihnachten. Heiliger Abend, X-mas oder Feliz Navidad, senoritas!!

Ja, natürlich ist das auch noch etwas hin. Genauer gesagt sechsundsechzig Tage oder auch 95.040 Minuten. Aber kommt schon, gefühlt stehen Weihnachts-Schoko-Mandel-Zimt-Marzipan-Honig-Printen-Nelken-Weihnachtsmänner und Plätzchen schon seit Monaten in den Regalen.  Riecht Ihr nicht auch schon den Glühwein? Leute, es geht wieder los!!! 

Viel wichtiger aber als das nahende Fest: die Vorbereitung. Noch näher sind nämlich die Weihnachtsmärkte, die in zahlreichen Gemeinden wieder anstehen. Und da gibt es viel, also wirklich viel zu tun. Jede Woche braucht eine neue Gemeinde Hilfe: neben Ständen bauen und Kerzen großziehen, gilt es Handzettel zu verteilen (#cnd2019), Kränze und Holz-Engelchen zu künstlern, Lichter der Kraft an den Sternenhimmel zu tackern, Gebäck mit süßesten Kariesbomben zu verzieren und herzzereißende Weihnachtsgeschichten aus verstaubten Literaturschinken auszugraben. Und wenn möglich, sollte all das auch noch mit einem Lächeln passieren. Wo bleibt da Zeit für eine Herbstdepression?!

Wir haben das mal durchgerechnet, an sich alles ganz easy: Jede gern gemachte, ehrenamtliche Arbeit im Prä-Advent (also die vier Wochen vor den vier Wochen vor Weihnachten) wird auf Eurer Lebensblume mit dem Multiplikakator von 2,4 verrechnet. Wichtig ist nur, dass Ihr die Belege behaltet und notfalls oben nochmal dran erinnert. #bürokratieofheaven

Also: Wer in der Weihnachtszeit früh mit dem #schaffendürfen anfängt, mittags weitermacht und abends zur Hochform aufläuft, der erzielt nicht nur für sich, sondern für alle seine Nächsten eine Win-Win-Win-Win-Win-Situation. Aber jetzt mal ehrlich, wir wissen eine anstrengende Zeit steht bevor, aber ist sie doch perfekt geeignet, um jeder Form von #herbstblues entgegenzutreten.

Also anstatt Sommer, KiTaWo und Erntedankfest hinterherzutrauern, gilt es entgegenzufeiern. Und zu arbeiten. Es gibt wirklich genug zu tun und wenn wir eines nun wirklich nicht erlebt haben in den letzten 2018 Jahren, dann, dass unsere Arbeit und Engagement nicht gebraucht werden.

Die drei heiligen Könige habens auch nur pünktlich zum 24. Dezember in den Stall geschafft, weil sie rechtzeitig losgelaufen sind…

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Weil wir uns brauchen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

alleine lebt es sich schlecht. Und liebt sich schlecht. Und streitet sich schlecht. Ohne einander wäre es entspannter und langweiliger. Die Gemeinschaft schafft Gemeines und Gut-Gemeintes. Weil wir uns brauchen, diese Kolumne…

Neulich: Mein Gemeinschafts-Helfer hat mich gefragt, ob ich zum Arbeitseinsatz da bin. Hab die Frage nicht verstanden, war gerne dabei am Montag. Genau wie Dienstag, Mittwoch und den Rest der Woche. In der Gemeinschaft ist doch am schönsten! Alle waren da und sehen es genauso.
Auch.
Wie ich.
Gemeinschaft ist toll.
Wir verstehen uns alle. Warum auch streiten? So schön in der Gemeinschaft. Wir gehen alle Probleme gemeinsam an und #schaffendürfen es dann auch. Wenn einer strauchelt, ist sein Nächster zur Stelle. Jeder für das schwächste Glied. Weil wir uns so gut verstehen, kommen jeden Tag neue Freunde hinzu. Weil sie sich wohl fühlen. Wie wir…

Ganz so ist es nicht. Die Gemeinschaft, die Glaubensgemeinschaft ist schön. Wären da nicht die anderen. Zugegeben: Manchmal sind wir schon anstrengend. Mit unseren Macken und Wichtigkeiten. Wir wollen Wertschätzung und vielleicht auch mal ein LAUTES DANKE! Wir reden nicht miteinander, wir machen Fehler, wir verurteilen uns und hauptsächlich den Anderen. Anstatt uns zu vertrauen, gehen wir auf Nummer sicher und dem Unangenehmen aus dem Weg.

Es ist ja grad WM: Fast wie bei einer Fußball-Mannschaft, die sich lieber selbst foult, anstatt den Weg zum gegnerischen Tor zu suchen. Klassische 1-1-1-1-1-1-1-1-1-1-1-Aufstellung. Jogi ist stocksauer und die Ersatzbank rappelvoll. #wmvergleich #gehtimmer #pulsderzeit

Manchmal lohnt ein Schritt zurück. Mit leerem Kopf neu starten. Alles auf Anfang. Was wünschen wir uns von einer Gemeinschaft? Einer, die uns anziehen würde. Wo wir von außen drauf schauen und sagen: KRASS, DIGGA! Da möchte ich mitmachen, da möchte ich dazugehören. Was wäre das für eine Gemeinschaft? Wo muss ich unterschreiben?

Ein Buschfunk-internes Brainstorming hat folgendes repräsentativ-valides Ergebnis hervorgebracht: Die Gemeinschaft bringt den Mut auf, zueinander zu gehen. Sie redet ehrlich miteinander und hält andere Meinungen aus. Sie vertraut. Sie ist engagiert. Sie akzeptiert, wie andere sind und versteht Rückschläge als Teil von sich. Gemeinschaft lernt sich kennen, statt zu urteilen. Gemeinschaft verzeiht und hat stets Bier kalt stehen. Und vor allem: Gemeinschaft bleibt ruhig.

Gemeinschaft kann also toll sein. Warum gründen wir nicht einen Kegelclub oder fahren “gemeinschaf” Kanu? #kegelrenaissance #kanulifestyle Eine Glaubensgemeinschaft ist mehr. Wir treffen uns nicht für Pokale, Spiel und FUN! Also gut, auch manchmal. Aber eigentlich, weil uns ein Gefühl verbindet. Emotions, baby! Wir trennen uns nicht, wenn wir umziehen, die Saison vorbei ist und wir zu alt für den Scheiß sind. Wir (er)tragen uns ein Leben lang. Und länger.

An sich ist es ja echt easy… Das Umsetzen, was wir eh geil finden. Nicht gleich alles auf einmal. Kleine Schritte. #tap #tap Uns gegenseitig mehr zutrauen und aufeinander zugehen. Zuhören. Reden. Ruhig Bleiben. Wer, wenn nicht wir? Dann sind wir von ganz alleine #shiny für die Außenwelt. Aber auch für uns. Weil wir uns brauchen.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Mut mit Vorsicht genießen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

wir wissen nicht, ob es eine gute Idee ist, diesen Text zu schreiben. Und auch noch zu veröffentlichen. Im Internet. Er kann falsch verstanden werden. Anders rüberkommen als gemeint. Was, wenn der Text sich verselbstständigt und wir die Kontrolle verlieren. Noch besteht die Möglichkeit umzukehren und lieber über etwas anderes zu schreiben. Ach wisst Ihr was, zu spät.

“Das alles und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär”. Was Rio Reiser locker runterträllert, sieht in der Realität oft schwieriger aus. Beim Anblick potenzieller Macht und wichtigen Positionen gehen solche Sprüche leicht von der Zunge. Doch wenn man erst in der Verantwortung steht, schleicht sich oft ein anderes Gefühl dazu. Ein beklemmendes Gefühl, das einem erst die Ruhe und dann das Selbstvertrauen nimmt: die ANGST.

“Furcht ist nicht in der Liebe” heißt es im 1. Brief des Johannes (4;18). Ein Spruch, der Mut machen kann und gleichzeitig aufzeigt, wie schwer es wirklich ist, ein von Liebe erfülltes Leben zu führen. Wovor können selbst wir in diesem reichen Teil der Welt nicht alles Angst haben? Angst vor Veränderung, Angst vor schlechtem WLAN, Angst vor zu viel Regen und warmen Bier, Angst vor der Steuer und dem Erwachsenwerden. Die Angst ist so allgegenwärtig, dass wir uns schließlich auch ein bisschen vor ihr selbst fürchten könnten. #angstvorangst

Jetzt wollen wir nicht nur auf die Angst schimpfen. (Nachher tut die uns noch was.) Sie ist immerhin auch ein Grund, warum wir das hier schreiben können. Als Urinstinkt hat sie uns geholfen zu überleben und dafür gesorgt, dass nicht eine Gruppe muskelbepackter Säbelzahntiger kurzen Prozess mit unserer Spezies gemacht hat. Über eine Packung Nächstenliebe hätten sich auch die Tiger gefreut, ihren Mittagshunger hätte sie nur kaum gestillt.

Doch die Furcht, wie wir sie heute kennen, erfüllt einen anderen Zweck. Sie raubt Motivation, wo Mut voranbringen könnte. Sie schürt Zweifel und zersetzt Vertrauen. Sie lähmt uns im wahrsten Sinne des Wortes: So reagieren Menschen in extremen Gefahrsituationen – wir erinnern uns an den hungrigen Säbelzahntiger – entweder mit dem Kampf (“fight”) und der sofortigen Flucht (“fly”) oder aber mit einer Schockstarre (“freeze”). Nicht umsonst warnt sogar Meister Yoda vor den schrecklichen Folgen der Furcht:

Jetzt wird manch Angsterfüllter das Bedürfnis verspüren, der Furcht einen anderen Namen zu geben. Einen netteren, auch nicht immer unberechtigten. Mit Bedacht verraten wir euch den Namen: die Vorsicht. Die Vorsicht ist die kleine Schwester der Angst, die doch lebensrettend ist. Sie bewahrt uns davor, bei 200 km/h auf der Autobahn die Augen zu schließen, sie erinnert uns daran, Wein nicht mit Bier zu kreuzen und Arbeitseinsätze stets nur mit adäquater Sicherheitsausrüstung zu bestreiten. Der Vorsicht verdanken wir viel, auch dass wir noch diverse Körperteile besitzen.

Und so geht es uns nicht darum, den blanken Irrsinn auszurufen. Nein, diesmal wirklich nicht. Wir brauchen durchdachtes Tun und Handeln in allen Bereichen des Schaffendürfens. Wir haben nur Angst, dass manchmal die Grenzen zwischen notwendiger Vorsicht und betäubender Angst verschwimmen können. Dass die Angst treibt und Motivation und Schaffenskraft junger Leute im Keim erstickt. Obwohl doch das Ziel das gleiche ist. So können zwar Jüngere vor Leichtsinn bewahrt werden, doch so manch frische Idee und notwendige Erfahrung bleiben auf der Strecke.

Über den Grad zwischen notwendiger Vorsicht und notwendiger Verwegenheit lässt sich endlos streiten. Da wir zu panisch für ein eigenes Schlusswort sind, schließen wir mit der letzten Strophe des Gedichts “Was es ist” von Erich Fried:

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Im Auftrag des Herrn unterwegs“

Freunde des gesprochenen Wortes,

heute widmen wir uns einem Gottesstreiter, Beter, Werkzeug, Weisheit-Tragendem und Bier-Braunendem. Wer hat es schon erraten? Es geht um den Mönch. Oder auch die Nonne, wie Mann/Frau es nimmt. In jedem Fall um einen Berufszweig, der heute vielleicht wenig attraktiv erscheint. Und als wenn das nicht schon reichen würde, gibt es den johannischen Mönch BISHER gar nicht…

Welch wahrhaft Gläubiger will das nicht? Sein Leben voll und ganz in den Dienst des Glaubens stellen. 24/7 im Auftrag des Herrn unterwegs. Nach asketischen Idealen leben und sein Seelenheil fernab jeglicher Weltlichkeit finden. Doch anstatt Luftsprünge (fast bis in den Himmel) zu machen, winken die meisten heutzutage ab: Ist dann vielleicht doch etwas heftig, den ganzen Tag nur „Ora et Labora“. Und das dann alles nur unter Gleichgeschlechtlichen.

Dabei spricht für den Beruf zumindest eine lange Tradition. Den weltlichen Job zu kündigen und dafür spirituelle Ziele zu verfolgen, war schon vor hunderten Jahren angesagt. Im Christentum genauso wie im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus. Zugegeben, die Bezahlung war schon damals mies. Liegt wohl daran, dass die meisten Mönche in völliger Armut leben. Aber dem Materialismus abschwören liegt gerade wieder voll im Trend, wenn wir ehrlich sind. Wie in aller Welt kann Mönch-sein dann „Out“ sein?

Das Wort „Mönch“ leitet sich vom griechischen monos ab und bedeutet „allein“. Und tatsächlich gab und gibt es solche Mönche, die in völliger Einsamkeit leben und dabei die Beziehung von Körper/Seele/Geist und Gott weiter ergründen. Ja gut, einsam sein ist echt nicht cool – das Prinzip der kirchlichen Gemeinschaft ist auch irgendwie das exakte Gegenteil. Doch viel üblicher sind eigentlich Mönche und Nonnen, die in Ordensgemeinschaften leben, also in der Gemeinschaft. Rainer Maria Schießler, Deutschlands bekanntester katholischer Pfarrer, lebte selbst mal für einige Monate in der Gemeinschaft des Kapuziner-Ordens und war ziemlich angetan:

„Dann kommen die Mönche zum Gebet in ihrem Chorraum zusammen. Schweigend. Konzentriert sitzen sie da. Es ist dunkel. Es ist kalt. Du kämpfst mit dem Restschlaf. Und dann klopft der Guardian zweimal auf die Bank. Erheben. Introitus. Und das Gebet beginnt. […] Da entsteht allein schon über den Ton Gemeinsamkeit, vereint sich deine Stimme zusammen mit den anderen zu einer einzigen Vibration, die dich bis auf die Knochen durchdringt. Reiner Klang! Du bist auf einmal eins mit der Schöpfung. Du bist auf einmal eins mit Gott. Und völlig eins und aufgehoben im Sein und mit dieser Gemeinschaft von Menschen, die dich umgeben.“
– aus „Himmel, Herrgott, Sakrament: Auftreten statt Austreten“, S.40 (siehe HIER)

 

Hört sich bis auf „kalt“ und „dunkel“ gar nicht so uncool an. Doch um ehrlich zu sein: Trotz schöner Momente entscheidet sich auch Schießler letztlich, den Orden zu verlassen und nicht Mönch zu werden. In der Johannischen Kirche ist die Entscheidung einfacher: den Berufszweig des Mönchs oder der Nonne gibt es gar nicht. Warum eigentlich? Schließlich ist der Ausspruch „Zwei Lebensstützen brechen nie, Gebet und Arbeit heißen sie“ unter den All-Time-Favourites aller Zeltlager-Wort-zum-Tage…

Nicht, dass wir hier Ideen in die Welt setzen wollen, aber wie episch wäre das? Eine Gruppe von johannischen Mönchen und Nonnen. Statt einem klassischen Ordenshaus müsste vielleicht eine kleine Hüttensiedlung herhalten. Die Essensauswahl ist minimalistisch und Arbeit gibt es auf Jahrzehnte genug. Auch zum Arbeiten herrscht Trachtpflicht. Dann könnte man endlich hauptberuflich ehrenamtlich sein. Gegen den kleinen Hunger vielleicht noch einen Nebenjob annehmen, zum Beispiel die Kirchenzeitung verteilen oder Handzettel zum Weihnachtsmarkt austragen (#cnd2017).

Na gut, sehen wir’s ein: Der johannische Mönch wird wohl auch in Zukunft eine unüberlegte Schnapsidee des Buschfunks bleiben. Der „modern Mönch“ will nicht so richtig hip werden. Und das hat ja auch sein gutes. Wie jeder für sich seinen Glauben auslebt, bleibt immer subjektiv und zu respektieren. Aber wir sind dann doch mehr der Typ „am Puls der Zeit“. Wir wollen dorthin, wo menschliche Charaktere wie tonnenschwere Baumaschinen aufeinanderprallen und sich aneinander abschleifen. Wir wollen keine Talente in Gemäuern vergraben, sondern sie raushauen, benutzen und abliefern. #schaffendürfen

Vielleicht muss der „modern Mönch“ gar nicht der in Tracht und im Kloster sein. Vielleicht lässt sich Arbeit und Gebet auch mit dem wahrlich ungesunden Lebensstil der Moderne vereinbaren. Und vielleicht reicht es ja auch, dass wir uns alle auf Wegen zum gleichen Ziel befinden.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Jo mei, a Festal halt“

Freunde des gesprochenen Wortes,

ein Fest steht an, da darf der Buschfunk nicht fehlen! Mindestens 1,5 Personen unserer Redaktion sind waschechte Bayern und wir sind in größter Vorfreude auf die Wiesn. Und da wir nicht mehr lallfrei reden können, diese Woche erneut eine Kolumne in schriftlicher Form über das Für und Wieder von Fest und Innehalten.

Da sitzt daaha. Dea Bayar. A Hüdal auf und a gescheide Moas in der Händ. Mehr brauchts a  net.

Damit wäre jedes Klischee bedient. Aber es ist ja auch was dran. Der Bayer trinkt gern und steht dazu. Am liebsten zum Oktoberfest, also im September. Einmal im Jahr wird die Landeshauptstadt des Freistaats besetzt. Von Touristen, die gerne wären wie der Bayer. Also Säufer. Das sind leichte Erklärungen, die uns nie gereicht haben. Schauen wir also unters Dirndl und in die Lederhose. Oder einfach hinter die Kulissen.

Wer wirklich schon mal am Sendlinger Berg flanierte, weiß dass das nicht alles ist: Das alte Karusell von 1950 quietscht lauter als die Fangemeinde, die Tracht von Opa Huber ist so ausgebeult wie seine fleischliche Hülle auf dem Bierbauch und während kaum noch einer die Texte zur Blasmusik kennt, lädt der Vier-Viertel-Takt doch zuverlässig zum Schunkeln ein. Touristen füllen Kassen, gibt es da noch Tradition?

Angefangen hat alles, wie sollte es anders sein, mit Mann und Frau. Gut, paar Pferde waren auch noch dabei, aber eigentlich ging es 1810 um die Vermählung von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese (nach der sogar extra eine Wiese benannt wurde). Die beiden wollten zur Hochzeit mal richtig einen drauf machen. Anlässlich dessen gab es in Minga unzählige private Feierlichkeiten, Pferderennen, Umzüge und alles, was ein Fest sonst noch brauchte. Leider sollte es noch einige Jahre dauern, bis endlich auch Kletterbäume, Kegelbahnen und Schaukeln dazu kamen. Ab 1880 wurde dann auch der Hopfen und der Malz essentieller Bestandteil und der schlimme, ja wirklich schlimme Kommerz nahm seinen Lauf.

1.000.000.000 Euro. Das ist eine eins mit neun Nullen, Leute (1 Milliarde). So viel Geld tragen die Einheimischen, Touristen, Traditionsliebhaber und Bierdienstleistende jährlich zusammen, um zu feiern. Das weltweit größte Volksfest erwirtschaftet mehr, als so manch Salomenischer Inselstaat in einem Jahr. Trotz viel Tradition hat das Oktoberfest ein klares Ziel: Geld verdienen, viel sogar. Das muss man nicht mögen, aber es ist die ehrliche Nummer. Wir vom Buschfunk würden das Geld auch nehmen.

Wir fassen zusammen: Eine Gruppe Eingeborener trifft sich mit Zugereisten, um tagelang Tradition zu leben. Die einen essen Hähnchen, die anderen Klöße. Männer tragen ledernde Hosenwaren während die Frauen alles hochschnüren. Es gibt Freizeitprogramm für jung und alt, die Halle wird festlich geschmückt und man darf ein letztes Mal am Biertisch in der Herbstsonne sitzen. Dazu dann ein, zwei und manchmal auch drei frisch gezapfte, deutsche Kulturgüter. Man freut sich über tolerantes und überbrückendes Zusammensein. Ein großer Dank an den Schöpfer darf nicht fehlen. Nicht abschweifen! Wir sind noch beim Oktoberfest. Den Wiesn-Gottesdienst gibt es seit 1956, jedes Jahr zudem es einige Taufen und der Pfarrer hilft hinterm Tresen mit.

Jetzt ist München für manche zu weit weg. Aus Berlin zum Beispiel ein ganz schön weiter Weg. Glücklicherweise gibt es auch näher dran Festlichkeiten, die sich vielleicht von Mutter Bavaria haben inspirieren lassen. Muss ja nicht nur sie finanziell profitieren. Solange alle fröhlich sind, ist doch schön. Manchen ist das aber zu viel. Zu viel Musik, zu viel Trinkerei zu viel eigenwillige Freistaat-Kultur und zu viel Kommerz. Absolut legitim, bayerische Tradition muss nicht jedem gefallen.

Und eigentlich ist zum Michaelistag seit Jahrhunderten Dank für die Ernte angesagt. Vielleicht in stiller Andacht, aber vor allem mit vollem Bewusstsein, dass wir wirklich dankbar sein können dürfen.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Der ernsthafte Dank mit dem Trubel des Geschäfts? Nichts, beides ist erlaubt. Auch wir mögen beides. Die Frage ist nur, was wir wollen. Wann, wo und für die Zukunft: Wohin?

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Zunge zeigen“

Freunde des gesprochenen Wortes,

„Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.“ Gott hat augenscheinlich eine Zunge. Wie hätte er sonst diesen Satz aussprechen können, mit dem alles begann? Und hätte Gott keine Zunge, wer weiß, wie viel von der Schöpfung überhaupt geklappt hätte. In der Zunge steckt viel Kraft. Zu Pfingsten ein Plädoyer, sie bewusst und mehr zu nutzen.

Manch dauerpumpender Körperheld mag widersprechen. Doch ein unscheinbarer Muskel, den wir meist verstecken, ist der vielseitigste und mächtigste von allen. Er kann Kriege beginnen und beenden, besiegelt Gerichtsurteile und – viel schlimmer – Ehen. Die Zunge kann so ziemlich alles. Wer sich für ein Eis im Hörnchen entscheidet, ist froh, dass er die Zunge hat. Jugendliche suchen ihr Glück meist in den Hälsen ihrer Mitmenschen. Und ohne Zunge auch schwer: Heavy Petting.

Die Zunge ist schon ziemlich eingespannt. Entspannen kann sie sich eigentlich nur nach zwei bis acht alkoholischen Getränken. Neben den erfreulichen Dingen muss die Zunge noch vieles andere verrichten: schreien, singen, sich verbrennen und piercen lassen sowie Essen im Mund sortieren. Doch das wichtigste ist der Dienst an unserer Kommunikation. Vergesst Gestik, Mimik und all den nonverbalen Kram. Fangt an zu reden!

Die hohe Kunst der Diplomatie braucht ein jeder von uns. Egal ob Familie, Beruf oder Kirche. Wenn Worte nicht mehr reichen und Reden zu Schreien wird, bleibt meist nur noch eines: Schnaps für alle oder eben Gewalt.

Nun sind wir die letzten, die öffentlich Gewalt Zungen verherrlichen. Neben dem Buschfunk warnte bereits die Bibel vor der ungeheuerlichen Kraft des schlabbrigen Schnalzorgans. „Aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel voll tödlichen Giftes“, heißt es im Brief des Jakobus. Und der alte Knecht hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass Worte giftig, verletzend und Menschen wie Projekte zerstören können. Und behaupten, dass der BER-Flughafen spätestens gestern eröffnet wird. Die Zunge ist eine Waffe, im Guten wie im Schlechten.

Deshalb lieber Schnauze halten? Die Zunge kann auch viel Gutes bewegen: Konstruktives beitragen, trösten, zum Lachen bringen und motivieren. Und natürlich viel zu viel unqualifizierten Quatsch ins Internet blasen.

Die Welt ist wie ein Labyrinth: Wir Menschen sind irgendwo ausgesetzt und suchen den Weg nach außen, quasi straight back to Jesus. Wenn jetzt jeder für sich alleine losläuft, wäre das erstens selten dämlich und würde zweitens locker 80-90 Inkarnationen dauern. Doch zusammen lässt es sich besser zocken!

Wer sich abspricht, gegenseitig hilft und kurz vor dem Ziel nochmal laut „HIER“ ruft, der ist ein wahrer Freund. Zum Glück haben wir den schleckenden Schmeckmuskel mitbekommen. Man könnte fast meinen, um ihn benutzen zu dürfen. Natürlich können wir die anderen auch in die Irre führen und sie täuschen – doch der ist ein schlechter Held.

Auch zum Pfingstfest steht die Zunge wieder im Vordergrund. Im christlichen Glauben kam der Heilige Geist auf die Apostel nieder und ließ sie mit fremden Zungen sprechen. Worte haben Bedeutung und Kraft. Wichtig ist immer der Absender dahinter. Doch ohne den Austausch wird es schwer, etwas zu bewegen, zu motivieren, zu schaffen und zu verbessern. Bei vielen Worten können vielleicht zwei, drei mal daneben liegen. Aber wir haben die Zunge bekommen um sie zu nutzen; sie ist der stärkste Muskel, der übrigens auch am schnellsten verheilt. Sie ist ein krasses Gerät, deswegen sagen wir es jetzt alle ganz laut: „ZUNGE ZEIGEN!“

Zum Schluss ist uns auch wichtig: Wir beim Buschfunk sind froh, wenn uns jemand kritisiert anstatt gleich in den Bauch zu schießen. Neben der Zunge ist nämlich auch ein Luftdruckgewehr eine gefährliche Waffe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „AK Amtslos“

Freunde des gesprochenen Wortes,

eine Kette kann nur so stark sein wie ihr schwächstes Glied. Die Starken kennen wir alle – meistens stellen sie sich uns selbst vor. Aber wer sind die vermeintlich Schwachen? Vielleicht sind genau sie die unsichtbare Kraft, die im Hintergrund alles zusammenhält und gestaltet. Ein Beitrag über den kleinen Kirchenmensch der zweiten Reihe.

Kirchentag, spät dran: Suche hektisch nach einem Platz. Ahh, vorne ist ist noch einer – schnell hinsetzen und andächtig schauen. Aber was ist das? Ein Ordner wedelt mit beiden Armen, sein Gesicht rot angelaufen. Schweißausbruch bei mir. “Was hab ich falsch gemacht?” Achso, erste Reihe. Wie konnte das passieren? Bloß weg hier, da ist noch ein Platz. Dritte Klasse, nee Reihe. Leider aber der Platz des Ordners, also weiter auf Wanderschaft. Zwei Minuten hab ich noch, ich renne. Reise nach Jerusalem ist nichts dagegen.

Sport am Sonntag kennen viele Gläubige. Doch für manche birgt es noch mehr Tücken. Eine kleine, große Schar an Menschen, die immer dabei sind, doch zu selten erwähnt werden. Sie sind der eingeschworene Kern, der keine Verantwortung braucht um mitzutragen. Der nicht lange überlegt, sondern anpackt. Der viel bewegt und immer noch unterschätzt wird. Sie brauchen weder Titel noch Fortbildungen. Sie sind die Ersten in der zweiten Reihe – der Arbeitskreis Amtslos.

Die Gründung dieses neuen AKs war längst überfällig. Ein Sammelbecken für alle Motivierten und Helfer, die ohne offizielle Berufung schaffen dürfen. Ständig am Helfen, doch nichts zu entscheiden. Nicht einmal Seminare sind dafür notwendig. Sorgen und Ängste besprechen die Amtslosen in spontanen Treffen. Jeder ist gerne gesehen, sogar Gäste mit Amt. In der amtslosen Gemeinschaft nimmt sich keiner wichtig, der Nächste ist wie ich.

Bei so viel Harmonie schaut so mancher Amtsträger fast neidisch hinüber. Von einer Aufgabe zur nächsten hetzend, vieles auf einmal und abends zur Tagung. Er kann das extra Kraftpaket von oben gut gebrauchen. Aber während der Amtslose sein unaufhaltsames Engagement selbst dosiert, bestimmt für den Träger das Amt die Dosis. Meistens nicht zu knapp. Frust wird zur Routine und die Freiheit schnell zur Pflicht.

Wo zu viel Arbeit herrscht, wird manche Gemeinde erfinderisch. Dort stellt der AK Amtslos schon fast die Minderheit: lieber gleich ein Amt statt nur Verantwortung. So kann man sich der Mitarbeit auch sicher sein. Wer das weiterdenkt, kommt schnell zu neuen Amtsideen: Vom Klimaordner bis zum Kaffeehelfer. Das Potential scheint unbegrenzt. Auch ein Rasenbeauftragter könnte in vielen Gemeinde wichtige Hilfe leisten. Nicht zu vergessen der Choralnummer-Aufsteller ohne den mancherorts schon nicht mehr gesungen werden kann.

Wenn jeder ein Amt hat, hat auch jeder seine Wichtigkeit. Da schafft der Rest-Wein beim Abendmahl keine ganze Runde mehr. Das kann ja auch nicht die Lösung sein. Gibt es keine anderen Möglichkeiten? Wenn alle, die helfen wollen, in einem Boot sitzen. Wenn jeder Ruderlenker selbst mitrudert. Wenn Kapitän und Matrosen eine Mannschaft sind. Wenn keiner von beiden überfordert, aber alle mitgenommen werden.

Zum Glück ist der AK Amtslos gar nicht ohne Amt. Vielleicht haben seine Mitglieder sogar das schwierigste von allen. Ohne sie bleibt es meist nur bei der Theorie. Bei nicht gelesenen Protokollen und den Worten ohne Tat. Der Amtslose ist der kleine Kirchenmensch, ohne den nichts funktioniert. Kann auch nicht oft genug gesagt werden. Selbst wenn sein Taufspruch “Verantwortungslos durchs Kirchenleben” ist und immer wieder heißt. Er ist das Rückgrat, der Erste in der zweiten Reihe.

Janosch & Robin
Buschfunk-Redaktion

Kolumne „Motivation in tausend Worten“

Freunde des gesprochenen Wortes,

ja wir wissen es ist Winterpause… Wir können trotzdem nicht unsere Finger vom Mikro oder Schreibblock lassen. Die folgende Kolumne erscheint diese Tage im neuen Gemeindebrief der Gemeinde Gößweinstein. Die herausragende Zusammenarbeit dieser beiden Redaktionen äußert sich so, dass der Buschfunk den Beitrag für den Gemeindebrief verfasst hat, dieser aber auch bei uns online erscheint. Viel Spaß beim Lesen und schaut gerne auch in den Gemeindebrief rein!

Samstag, endlich Wochenende. Der Wecker geht um 7:30 Uhr, wir wollen ja pünktlich zum Arbeitseinsatz da sein. Irgendwas wird ja immer geschafft. Nachmittags noch Planungssitzungen oder letzte Vorbereitungen für morgen…
Sonntag, der Tag des Herrn: Ausschlafen bis acht. 9:30 Uhr Treffen zum gemeinsamen Gebet, danach in die Religions- und Konfirmandengruppen, außerdem stehen Sakrament und Chor stehen. 11 Uhr Gottesdienst. Sollen aber schon 10:45 Uhr im Andachtsraum sitzen. Still. Zum Runterkommen. Nach dem Amen gemeinsames Mittagessen, Kindergruppen und Tagungen. Ein ganz normales Wochenende also. Nach den Tagen des Kraft Tankens dann zurück an die Arbeitsstelle, bis Montagabend, da ist nämlich Chorprobe…

Ja, als eifriger Gläubiger hat man kein leichtes Leben (#Jammertal). Was zu tun gibt es immer. Je kleiner die Kirche, desto mehr Projekte. Eine neue Aufgabe steht an? Da wird das Abwägen zwischen Ja und Nein sagen schnell zum Spießrutenlauf. Faule Nein-Sager haben ein Motivationsproblem, chronische Ja-Sager sind schnell die Deppen. Wir alle pendeln wohl irgendwo dazwischen. Wie sieht es aus mit unserer Motivation?

Nun mancherorts hat diese schon ganz schön gelitten. Das menschliche Aufreiben (manchmal auch Aneinanderreiben) hinterlässt bei jedem Spuren. Besonders wenn Erfolge für uns Menschen nicht immer gleich sichtbar sind. Auch jahrelanges Bemühen hat sich vielleicht nicht so ausgezahlt, wie wir es uns erhoffen. Nerven liegen blank und Enttäuschung macht sich breit. Der Blick in die Zukunft sieht aus mancher Sicht nicht rosiger aus. Da braucht dann nur noch einer kommen und Kritik anbringen und alle Zutaten für eine explosive Frustrationsbombe sind zusammen. Eine Frage schießt in den Kopf: warum tun wir uns den ganzen *Piep* überhaupt an?

Um intelligent zu klingen, flüchten wir uns in die Psychologie: Motivation ergibt sich aus der Erwartung, bestimmte Ziele und Zustände mit dem eigenen Handeln zu erreichen. Je besser die Chancen des Erfolgs, desto höher die Motivation. Die Ziele können dabei von außen her (Lob, Geld, Prestige) oder von innen her (Erfolg, Gestaltung, Beschäftigung) kommen. Auch in der Kirchen- und Gemeindearbeit gilt also für jeden einzelnen: Warum helfe ich mit (oder nicht)? Was ist meine persönliche Motivation?

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Ausreden sind schnell gefunden: keine Zeit, mir hilft ja keiner, ich kann eh nichts bewirken, nicht finanzierbar, ich kann das nicht und das Ganze bringt doch sowieso nichts. Was kann man dem gegenüber stellen? Da müssen auch wir nachdenken. Bei den einen ist es das Pflichtbewusstsein mal “Ja” zum Ganzen gesagt zu haben, bei den anderen vielleicht die Verantwortung die Kirche weitergestalten zu dürfen oder die Begeisterung für’s Werk. Und für manch einen auch nur das Feierabendbier in fröhlicher Gemeinschaft. Kasus Knacktus (für die Deutschlehrer im Publikum) ist aber auch ein gemeinsames Ziel. Ein Ziel, das uns verbindet und so manchen Knatsch am Wegesrand vergessen lässt.

“Das Ziel heißt Überwinden.” Moment, das ist jetzt etwas theoretisch. Und mit der Moral wollen wir schon gar nicht kommen. Aber eine Vision auch für jede Gemeindearbeit, kann hilfreich sein und Motivation schaffen, wo sie manchmal fehlt. Wo wollen wir hin mit Dings? Was ist die Vision für Bumms? Deshalb gilt: Ziele setzen, manchmal auch nur kleine. Und natürlich die Frage: Was ist es mir wert, diese Ziele auch zu erreichen?

Von dem irischen Literaturnobelpreisträger George Bernhard Shaw stammt der folgende Satz: “Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was man hat. Ich glaube nicht an Verhältnisse. Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen. Und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst.”

Was hält uns also ab? Zu oft auch noch die Angst etwas falsch zu machen, egal ob sie von uns kommt oder von außen! Dabei ist Angst die schlechteste Motivationshilfe. Neugier, Mut und Begeisterung sind viel bessere Helfer, von einem gesunden Gottvertrauen mal abgesehen. Wir alle haben unsere Talente (ja auch die biblischen, knickknack) mitbekommen. Und wer scheitert, hat es zumindest probiert. Eine Tat statt noch mehr Worte.

Robin & Janosch
Buschfunk-Redaktion